Frieden

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Langsam lichtet sich der Nebel nach dem riesigen Erdbeben, das mich im vergangenen Oktober heimgesucht hat.
Zunächst einmal erwachte ich in einem Schockzustand. Ich erinnere mich, wie die Untersuchungen und Arztgespräche an mir vorbei rauschten, wie die Wolken am Himmel in einem Zeitraffer. Nichts um mich herum schien lange genug zu existieren, dass ich es wahrnehmen konnte. Ich schrie pausenlos und erzeugte doch keinen Ton. Irgendwie habe ich das alles überlebt, aber wie weiß ich heute nicht mehr. Ich kann mich nur noch an die Ruhe in mir erinnern, die sich wie dumpfes Dröhnen anhörte; Wie das milde Quäken der Geräusche, wenn man dem Kopf unter Wasser taucht.

Kurz nach dem Beben, auf einer Party. Oktober 2011. Ich schreie nicht laut und ich tanze auch noch dazu..
Manchmal wird einem erst im nachhinein klar, wie gut man sich unter Kontrolle hatte.

Wenn ich von Zeit zu Zeit meinen Kopf über Wasser gestreckt habe, sah ich klar und die einzige Reaktion darauf war Angst. Pure Angst. Vor der Zukunft, vor dem Leben vor und hinter mir und um mich herum. Um mein unversehrtes zufriedenes Ich, das plötzlich von allen Seiten attackiert wurde. Da traten Nadeln in mein Leben, Giftstoffe, Skalpelle und Heiler. Entscheidungen über die Abstufungen von schlecht und schlechter und der Himmel war ein grauer Kloß.

Ich kam mir über Monate vor wie ein Hund, der kurz vor der Einschläferung steht und der hilflos zusieht, wie sich alle von ihm verabschiede. Jeder weiß, worum es geht, und alle halten den Mund, da sie das unaussprechliche nicht einmal denken möchten und weil es vielleicht nicht existent ist, solange es niemand ausspricht. Ich war Schrödingers Katze in der Box der Welt.
Vielleicht ist es mir deshalb so leicht gefallen, trotz all dieser Umstände so viel Ruhe und Freude auszustrahlen, da ich somit meinem eigenes Schicksal ein Schnippchen schlagen konnte. Solange niemand daran dachte, dass es mir schlecht geht, strahlte auch niemand diese Sorge und Furch aus und in der Folge fiel es mir einfach, optimistisch zu bleiben.
Ich bin der Hund, der sie vergessen gemacht hat, ihn einzuschläfern. Ich bin Schödingers Katze, die es allen gezeigt hat!

Nun kann ich zunächst einmal aufatmen. Das Beben ist Vergangenheit geworden und auch die Nachbeben lassen nach. Die Tränen sind vorerst versiegt und die Angst ist einer Perspektive gewichen. Ich schaue um mich und sehe zwischen Trümmern Hoffnungsschimmer leuchten und der Himmel ist wieder so blau wie zuvor.

Die Trümmer zu beseitigen wird die nächste Aufgabe sein, der ich mich stellen muss und dort wo ich her komme, konnte ich Kraft sammeln In der Dunkelheit meines Rückzugsortes entstanden Pläne und Visionen von einem neuen Leben in einem neuen Zuhause.
Das alte Haus war schön und verziert. Es war mein Haus, mit all seinen perfekt gewachsenen Balken und Streben. Ich habe es geliebt, dieses Haus, bis es zerbrach. Und nun kann ich aus den Resten ein neues Haus bauen. Die Fassade steht schon. Doch statt Balkonen wird es dieses Mal nur noch einen geben.

Wenn ich bald in mein fertiges Haus ziehe, werde ich dort auf meinem Balkon stehen und eine veränderte Perspektive vorfinden. Ich werde die Welt sehen, wie ich sie noch nie zuvor erlebt habe. Aber ich bin dort Zuhause und es ist Frieden, und dass ist heute alles, was zählt.

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  1. gott und ich, wir waren immer bei dir, in unseren gedanken, in unserer zuversicht und hoffnung, in unserer verzweiflung – haben wir dir ins herz gesehen und alle deine gedanken erkannt und verstanden – und dich bewundert für deine gefasstheit nach außen, für deine kraft und stärke. und manchmal wäre es leichter für uns gewesen dich aufzufangen und dir tragen zu helfen, aber du wolltest stark sein für dich allein. das haben wir respektiert , aber keinen moment sind wir von deiner seite gewichen – ich danke gott, dass er mit mir war die ganze zeit und mit dir. ein wunderbares leben ist dir gewiss deine mama

  2. Wow, das ist ja mal eine Ansage 🙂 ich wünschte mir, ich könnte meine Gefühle so ausdrücken wie du. Das einzige was ich sagen kann, ist dass du mir aus der Seele sprichst! Ich wünsch uns beiden ein wunderbares Leben!! Liebe Grüße, Margaret

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