Man kann nicht immer stark sein – auch wenn Angst nicht schön aussieht

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Viele Kämpfe habe ich in der letzten Zeit gefochten. Und gegen viele Gegner musste ich anstehen: Gegen die Krebszellen, gegen die Lethargie und gegen meine Diplomarbeit. All diese Kämpfe konnte ich unbeschadet durchstehen; Zumindest äußerlich unbeschadet und das Beste für mich daraus ziehen.
Der nächste Kampf wird ohne mein Zutun vonstatten gehen und er wird mich auf ganzer Linie verwunden. Er trifft mich in meinem Körper, in meiner Seele und in meinem Ego. Aber vor allem in meiner körperlichen Unversehrtheit.
Und auch wenn ich weiß, dass die richtigen Dinge geschehen werden, so ist es doch ein großer Abschied für mich und ein noch größerer Schritt ins Ungewisse.

Nach langem Entscheidungskampf habe ich mich nun für eine andere als die zunächst geplante mainzer Klinik  entschlossen. Ich hoffe, dass mein Gefühl mich richtig geleitet hat und ich hier nun die OP bekomme, die notwendig ist, um dem Krebs ein ganzes Leben lang den Rücken zu kehren. Denn nicht weniger erwarte ich für den Preis, den ich bereit sein muss, zu zahlen.
So ist es nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch der Schmerz und die Folgen, die ich sehr fürchte. Ich dachte zwischendrin schon, ich hätte mich mit der Amputation abgefunden, aber ich stelle mit nahendem OP-Termin fest, dass man für so etwas vielleicht nie bereit sein kann. Ich bin es zumindest nicht und werde es wohl auch niemals sein.
Und doch trage ich tief in mir verwuzelt die Gewissheit, dass alles gut gehen wird und ich mit den Umständen zurecht kommen werde, auch wenn ich mir jetzt noch keine Vorstellung davon machen kann, wie dieses neue Ich sein wird. Ich sehe meine Unbeschwertheit davon ziehen und habe Angst, dass mich die OP als etwas anderes auchwachen lässt.. Als Mitleidsfigur vielleicht..
Seit Wochen achte ich nur noch auf Brüste. Darauf, wie sie an anderen Frauen aussehen, was sie aus der Person machen, die sie trägt und wie die Person ihrerseit ihre Brüste zur Schau stellt.  Dabei fühle ich mich ziemlich ausgegrenzt, ganz so als wäre ich die einzige, die bald nur noch mit einer Brust durchs leben laufen muss. Vor allem  jedoch macht mich die Sorglosigkeit und Unbeschwertheit neidisch, mit der junge Frauen ihr Dekoltee tragen. Eine Unbeschwertheit, die ich auf ganzer Linie vermissen werde.

Am Mittwoch geht es ins Krankenhaus zur Aufnahme und dann werde ich sehen, wann meine OP statt finden wird. Ich hoffte, der Tag wäre schon vorbei und gleichzeitig fürchte ich nichts mehr.

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  1. Es liegt an Diner Haltung, ob Du Gallionsfigur oder Amazone bist. Zwischendrin wirst Du auch die Kleine sein, die Trost braucht und in den Arm genommen werden will. Ich kenne Dich nicht, aber ich denke am Mittwoch an Dich und wünsche Dir viele Kraftquellen für die nächsten Wochen.

  2. fühl dich umarmt von mir. dein weg ist dein weg – gehe ihn mutig . das leben danach wird mit deinem maß gemessen, nicht mit dem der fremden menschen um dich herum. ich denke an dich

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