Heute mal ein ganz anderes Thema

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Wieso spielen Kinder Krieg?

 
Wie kommen sie auf die Idee dieses menschenunwürdigen, von allen Erwachsenen gefürchtete Szenario für sich zu bearbeiten? Wir wollen Kinder doch immer beschützen und halten sie daher fern von Gewalt und Terror. Doch wie kommen sie dann zu dem Wissen, das sie in ihren Kriegsspielen ausleben?

Als Nachbarin einer Grundschule höre ich zu Zeit fast täglich, wie die Kinder schreiend durch die Straße rennen, Militärjargon rufend. Und treffe ich sie auf der Straße, kam mir neulich ein Junge mit einem Maschinengewehr (Stock) entgegen, der offensichtlich seine Deckung wahrte und wie von der Tarantel gestochen losrannte, als er mich sah.

Ich frage mich, ob dieses gelegentliche Sehnen nach existenzieller Not, das ich mit Forrest Gump und dem Betrachten der Bilder von Egon Schiele befriedige, vielleicht schon in Kindern ruht. Und dass sie durch das Kriegsspiel einen Zustand inszenieren, in dem sie um ihr Leben kämpfen müssen. Quasi um ihre Überlebenstaktik zu verbessern.

Natürlich könnte man argumentieren, das Krieg-spielen haben sich die Kleinen aus dem Fernsehen abgeschaut. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass es derart realitätsnahe Kinderserien mit Kriegsszenen gibt (oder vielleicht doch?), und selbst wenn, schauen sich Kinder doch nur an, was sie interessiert. Das heißt: Wären sie vom Krieg nicht auf irgendeine Art und Weise angezogen, würden sie die Inhalte in den Medien auch nicht interessieren.

Interessant ist auch, dass es dieses Gewaltspiele schon immer gibt. Bereits vor dem ersten Weltkrieg und dem ersten Fernseher haben Kinder Konflikte in ihr Spiel eingebaut, haben Waffen gebastelt und sich spielerisch getötet.

Oder ist es imitierendes Verhalten, dass in den Augen der Kinder typisch für Erwachsene ist und dass sie spielerisch einüben? Dann sollten wir uns jedoch Sorgen über unseren Vorbildcharakter machen..
Seltsam, findet ihr nicht?

»

  1. es ist fremd und es ist faszinierend. selbst für pazifistisch erzogene kinder, die nie derartiges im fernsehen gesehen haben. aber kinder erleben sich so oft ohnmächtig und glauben das waffen etc. ihnen macht verleihen.

    • Stimmt, das ist schon mal ein guter Punkt.

      Ich verstehe nur nicht, wieso es sie nicht abschreckt. Kinder haben Angst vor Monstern, Hexen und dem Nikolaus, aber nicht vor Soldaten..

  2. Soziologisch und pädagogisch gehaltvolle Lesetipps zum Thema Kinder, Jugend und Konflikte…Die Literatur betrifft allerdings weniger die kleinen Jungens in unseren Nachbarschaften.

    zur Konstruktion eines Bedrohungsszenarios durch verarmte junge Männer und Frauen in den USA:
    Anne Hendrixson: Angry Young Men, Veiled Young Women. Constructing a New Population Threat. In: The Corner House Briefing #34, 12/2004. –> online

    zur Entstehung und Verarbeitungsformen (ehemaliger) Kindersoldaten:
    Marc Sommers: Embracing the Margins: Working with Youth amid War and Insecurity. In: Lael Brainard, Derek Chollet (Hg.): Too poor for peace? : global poverty, conflict, and security in the 21st century. Washington 2007.

  3. Außerdem: Kinder prügeln sich nun mal und versuchen darüber ihre Körperlichkeit zu erforschen. Ich denke aber doch, dass der mediale Umgang mit Krieg hier eine wichtige Rolle spielt. Und die Transferleistung von der Faschingspistole des Cowboy-Kostüms bis zum cowboyhaften Gebaren bewaffneter Befreier in der ganzen Welt schaffen schon die Kleinsten.

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