365 Tage später und doch wieder ganz am Anfang

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Heute liegt meine Brustkrebs-Erstdiagnose ein Jahr zurück.
Dies sollte ein Tag der Freude und der Unbeschwertheit sein.

Der Türkei Urlaub hat Jo und mir unglaublich gut getan. Wir verbrachten neun Tage im quirligen Istanbul und reisten weitere sechs Tage nach Cunda Alibey an die Ägäische Küste, wo wir es uns in einem traumhaften kleinen Hotel mit wunderschönem Ambiente und reichhaltig köstlichem Frühstück gut gehen ließen. Wir genossen die Zweisamkeit, die Sorgenfreiheit und ich erlebte einen wunderschönen, entspannenden Urlaub voller Liebe und versteckten Zärtlichkeiten untereinander, da man in der Türkei damit nicht so offen umgehen darf wie man es in Deutschland gewöhnt ist.

In zwei Woche beginnt das neue Semester, ich bin voller Pläne und guter Vorsätze und dann das:

Ich lag die ganze Woche auf der Neurologischen Station des Uniklinikums und am Donnerstag hat man mir Hirnmetastasen diagnostiziert.

Seitdem bin ich ständig am telefonieren, Nachrichten beantworten und fühle mich Abends immer völlig leer und müde des Redens. Ich hoffe daher, dass es mir niemand meiner nahen Freunde übel nimmt, die Nachricht auf diesem Weg mitbekommen zu müssen.

Nun möchte jedoch dazu kommen, was das nun für mich bedeutet:
Zunächst einmal ist es KEIN TODESURTEIL!!!

Ich strotze gerade zu vor Hoffnung und erstaunlicher Weise wundert mich das nicht einmal.

Natürlichen machen sich immer wieder Worst-case Vorstellungen breit und vor allem in den ersten Stunden nach der Nachricht hatte ich unbändige Angst, sterben zu müssen. Doch auch wenn diese Gedankenblitze immer wieder auftauchen, weil sie einfach so untrennbar in Verbindung mit Hirnmetastasen gebracht werden, lasse ich nicht zu, es soweit kommen zu lassen.

Ich fühle mich so fit, geistig vital und ausser vorausgegangener Sehstörungen mit Blitzlichern in der linken Gesichtshälfte, weswegen ich mich überhaupt erst im Krankenhaus vorgestellt hatte, geht es mir prima.

Nach wie vor werde ich ja mit Antikörpern und der Antihormontherapie behandelt, weswegen ich mich vor einem so schnellen Rückfall verschon dachte. Leider wurde bei mir erstens fataler Weise nie auf Hirnmetastasierung gesucht (Sie kann von daher schon entsprechend alt sein) und zum anderen wirken sowohl Chemo als auch die sonst so wirkungsvolle Antikörpertherapie nicht auf das Gehirn, da die Blut-Hirn-Schranke den Einfluss bestimmter, so auch dieser Stoffe, verhindert.

Bei einem Anteil von ca. 16-30% Hirnmetastasen bei einer metastasierten Brustkrebserkrankung finde ich es nunmehr skandalös, nicht diagnostisch festzustellen, ob sich Tochtergeschwülste im Hirn angesiedelt haben, um das Hirn nicht unnötig zu belasten. Ich vermute, die kommende Behandlung und der Stress sowie die Angst sind strapaziöser als alle Radiostrahlung.

Dieses Wochenende durfte ich zunächst einmal nach Hause. Am Dienstag muss ich erneut auf Station, da dann die Suchen nach evtl. hoffentlich nicht existenten weiteren Metastasen weiter geht (Daumen drücken!!). Am Freitag findet dann erneut eine Turmorkonferenz statt, nach der ich dann weiß, wie mein neuer Behandlungsplan ausschaut.

Vielleicht werde ich mich von neuem einer Chemotherapie und einer Bestrahlungstherapie unterziehen müssen. Außerdem kann man die Antikörpertherapie mit Herceptin auf ein Medikament umstellen, dass die Blut-Hirn-Schranke passieren kann. Vor einer erneuten Chemo graust es mir natürlich, aber die letzte hatte ja in der Brust super angeschlagen und so sollte es doch dann auch bleiben.

Ich habe den absoluten Kämpferwillen, denn ich habe noch viel vor.

Gerade lese ich ein hochinteressantes Buch zum Thema Heilung durch innere Bilder und Visualisierungen
(
entpfehlenswert auch der dazu gehörige Film , den man auf Youtube einsehen kann). Das schenkt mir viel Zuversicht, denn ich bin ja für derartige Methoden sehr zugänglich und verspreche mir einen nicht weniger als hundertprozentig heilenden Einfluss auf mein Hirn und meinen Körper.

Ich werde auch diese Hürde überstehen und als gestärkt und gesund daraus hervor gehen, das habe ich mir geschworen.

Schließt mich gern in eure Gebete und guten Wünsche mit ein. Ich kann jede Hilfe und Unterstützung brauchen.

Liebe Grüße

Eure Mari

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