Stressige Zeit im Brustkrebsland

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Endlich liegt diese stressreiche, ereignisvolle, fordernde und kräftezehrende Woche hinter mir!
Es ist endlich Freitag! Yeah!
Am Montag begann mein neues Studium!
Ich darf mich von nun endlich Motologie-Studentin nennen und es verging kein Tag, an dem ich nicht aus stolz geschwellter Brust in die Welt hinaus schreien wollte, WIE zufrieden ich mit dieser Wahl und meiner Entscheidung bin.
Nach einem gemeinsamen Frühstück am Montag, den üblichen Kennenlern-Spielen und dem langsamen beschnuppern untereinander standen auch ersten Inhalte wie Anatomie und Grundlagen der Motologie auf dem Programm. Ein toller erster Tag, der am Dienstag genauso weiter gehen sollte. Wir starteten den Uni-Tag mit einer Kleingruppe-Aufgabe im Höhlen-Bauen. Eine Aufgabe, der ich mich voller Begeisterung und Verlangen hingeben konnte, denn mein Bedürfnis nach einer Tippi-ähnlichen rosa Höhle war stetig zunehmend und unbewusster Weise erhielt ich in unserer Dreier-Gruppe auch genau das, worauf es meine Seele abgesehen hatte 🙂 Die anschließende Entspannung in unserer Höhle sprach auch andere Mit-Studenten an und so wurde unser „Heim“ zu einer ersten Begegnungsstätte für Gemütlichkeit und nette Gespräche.

Nach diesem gemütlichen Vormittags-Seminar ist für mich der Studienplan für die nächsten vier Semester geritzt. Das wird klasse! Das weiß ich schon jetzt 🙂

Durchmischt war meine erste Studienwoche von einigen Terminen bei Ärzten in der Uni-Klinik, beim Frisör, meiner Psychoonkologin und meiner potentiellen neuen Hypnosetherapeutin. Diese Woche musste einfach alles dran kommen – so schien es.. Leider war es zum Schluss zu viel des Guten, denn zur Hypnose schaffte ich es bereits nicht mehr, denn mein erster epileptischer Anfall suchte mich heim. Mitten im Auto, gerade auf dem Weg zu der Sitzung, getriggert durch Stress, Licht und die Neonfarbe eines Rettungswagens vor mir gelang es mir noch das Auto am Rand abzustellen, meinen  Freund anzurufen und dann verschwimmt die Erinnerung.

Ich muss zugeben, dass die Erfahrung schon etwas ganz besonderes ist und auch wenn ich Angst habe, einen zweiten Anfall zu erleiden, möchte ich die Erfahrung dieses ersten nicht missen.
Ich fühlte mich noch 24h später wie durch den Papierwolf gedreht, aber irgendwie auch klarer und konzentrierter. Vielleicht konnte sich durch den Anfall neurologischer Stress und Druck abbauen, ohne den ich jetzt leichter Sein kann. Auf jeden Fall fühle ich mich, abgesehen von der Angst vor erneuten Vorboten, nun weniger verkopft. Ich kann Dinge leichter nehmen und mich besser konzentrieren. Der größte Nachteil momentan sind einzig die massiven Schmerzen, erzeugt durch die Zuckungen, die meine Beine in schmerzerfüllte Absonderungen meines Körpers getaucht haben. Zerrungen wie nach sportlicher Überanstrengung.. Auaa..

Wie zu erwarten brachte mir der Anfall eine unruhige Nacht im Krankenhaus ein. Man ist nach einer Epilepsie unglaublich geschwächt und müde, doch die Überwachungsstation im Krankenhaus ist dennoch kein Ort des Schlafes, da von den Nebenzimmern aktivierte Herzmonitore und Stimmen den Geräuschpegel im Zimmer dominieren. Der Donnerstag war dennoch und gerade geprägt von Klinikterminen, MRT, EEG und heute am Freitag gleich morgens zudem die Behandlungsplanung für die Bestrahlung, die nächste Woche starten wird. Daher:

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Also Mister Krebs,

am Montag geht´s Ihnen an den wenig ehrenwerten Kragen. Ich verlange Gehorsam und Rückzug angesichts der vier Wochen täglicher Strahlenkraft, die Ihnen den Garaus machen wird, wie Sie es sich in Ihren schrecklich schillerndsten Visionen nicht vorstellen können.
ICH bin die Frau im Haus. Und in diesem Haus regiert die Freude, Hoffnung und Zufriedenheit, da werden sie weder Raum noch Nahrung als Grundlage Ihrer weiteren destruktiven und egoistischen Existenz vorfinden, also hauen Sie ab und bleiben sie, wo der Pfeffer wächst – oder am besten NOCH viel weiter!!
Herabschauenswürdig,

Ihre Wirtin.

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Am Wochenende werde ich mich von den Ereignissen erholen und hoffen, dass ich Studium und Bestrahlung ab nächster Woche gut unter einen Hut bekommen werde.
Nebenwirkungen sind scheinbar nicht viele zu erwarten, bzw. werden durch weiteres Kortison und Antiepileptika in Schach gehalten. Ob ich wieder Haare lassen muss, werde ich sehen müssen – nun, da ich das erste Mal seit Oktober 2011 endlich mal wieder beim Frisör war hoffe ich natürlich, dass der Schopf endlich wieder zu- statt erneut abnimmt 🙂
Sonst hatte ich ja auch während der Brustbestrahlung kaum mit Fatigue und Strahlenkater zu tun, darauf setze ich auch dieses Mal! Alles wird gut!

Ich freue mich übrigens weiterhin über JEDEN kleinen Gruß, Wunsch und Brief, der mich erreicht. Das ist so schön und lieb!
Eure Unterstützung stärkt jede einzelne meiner kampfgestählten Zellen und macht mich tapfer in der Abwehr gegen die bösen Anteile meines Organismus.
Wir können ALLES schaffen! Glaubt mit an mich und das Gute!

Alle lieben Grüße

Eure Mari

 

Zur allgemeinen Entspannung und Wochenausklang hier zwei sehr schön entspannende Tracks, die ich sehr mag.. RELAX!

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