In der Ruhe liegt neue Kraft

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Ich habe es mir wohl unbewusst zur Angewohnheit gemacht, einen Artikel pro Monat zu verfassen. Nun denn.
Von daher habe ich euch laaaange auf die Folter gespannt – zumindest diejenigen, zu denen ich keinen privaten Kontakt habe- was mein Kopf MRT vom 30. Januar ergeben hat.

PixelprofilWie im letzten Artikel beschrieben, war ich super angespannt.
Den Zugang zu meinen Venen für das Kontrastmittel konnte erst der zweite hinzugezogene Arzt legen, sodass ich neben der ohnehin schon vorhandenen Anspannung fünf Mal in verschiedene Armpartien gestochen werden musste bis der Zugang lag. Dann folgte 20-30 Minuten knatternd-klopfende unrhythmische Technomusik im MRT in ohrenbetäubender Lautstärke, trotz Gehörschutz.
Danach begann das Warten.
Für mich lag eine Spannung in der Luft, wie kurz vor einem Gewitter; und gleichzeitig hatte ich das Gefühl, wie in einer Kiste voller Watte zu steckten, in der ich von der Außenwelt nichts mitbekam.

Als der Arzt mich endlich aufrief (wir mussten 1,5 Std. warten), war seinem wie immer verdüsterten Gesicht keine Botschaft zu entlocken. Er begann wie mit einer Nebensächlichkeit, die mich vollkommen zu Unrecht am allermeisten interessieren würde, bis er zu den wirklich interessanten News kommen würde – Es gäbe gute Nachrichten: Alle Metastasen seien in ihrer Ausdehnung kleiner geworden, was auf ein sehr gutes Ansprechen auf die Bestrahlung hindeute.
„Sie sind also nicht weg“ fragte ich ihn ängstlich stotternd- zudem hatte ich mir vor Aufregung gerade den Finger blutig gepult.
„Nein, aber das war auch nicht zu erwarten“ entgegnete mir der Arzt und davon war ich etwas überrumpelt. Ich hatte ja erwartet als medizinisches Wunder aus dem Krankenhaus zu schlendern, Nichts weniger und dann diese erschütternden Neuigkeiten..
Den Rest wie der neue Medikamentenplan und noch mehr Fragen zum weiteren Prozedere (Quartalskontrollen im MRT) managte meine Freundin Gott sei Dank, da ich mich plötzlich wieder in der Kiste mit der Watte befand.
Vor dem Arztzimmer vergoss ich erst einmal bittere Tränen im Schoß meiner Freundin und auch die nächsten Tage erhellten sich in meiner Welt nur wenig.

Es folgten intensive Tage an der Uni. Im Studium stand neben Lernen für die Anatomie-Klausur, Selbsterfahrung in Körperpsychotherapie an. Ich stand daher wieder ordentlich unter Spannung und „musste“ funktionieren. Das beste Mittel, um sich abzulenken.
Wir ließen im Selbsterfahrungswochenende Unterbewusstes hoch kommen und über viele Tanztherapeutische, Körper- und Gesprächseinheiten im Seminarkontext sowie in Gesprächen mit meinen Freunden, habe ich eine neue Leichtigkeit gewonnen. Ich konnte alte Ängste aufspüren, benennen und bin dabei viel Wut, Hilflosigkeit und Starre los geworden.

Die Woche nach der Anatomieklausur (bestanden 🙂 !!!!) und dem Selbsterfahrungswochenende waren dann der reinste Spaziergang durchs Leben. Ich hatte zwar noch Uni, doch die Ferien standen ins Haus, die Sonne lachte den glitzernden Schnee aus und ich bereitete mich langsam seelisch und Gepäck-mäßig auf die Reha vor.
Reha-Antritt:

Aussicht aus meinem 180° Panorama Balkon auf Bad Sooden und im Hintergrund, auf dem anderen Bild, Allendorf.

Am Dienstag den 19.2 ging es los in die Sonnenberg-Klinik nach Bad Sooden-Allendorf.
Der erst Tag mit Ankunft und allem neuen, ich war noch nie in Reha, schockierte mich zunächst etwas. Ich war scheinbar die mit Abstand jüngste Patientin im ganzen Haus, das Essen war fettig und erschien ungesund und ich befürchtete Schlimmeres. Doch Tag zwei und drei haben mich absolut begeistert. Es gibt jeden Tag neue aufregende Salatkreationen. Bei Durchfall bekommt man Bananen und getrocknete Heidelbeeren verordnet und der Kreativraum mit ALLEN möglichen Materialien zum Werkeln, Malen und Zeichnen ist 24h geöffnet. Da komm ich mir glatt vor wie ein Brummifahrer auf der A1.

 


Die Zimmer sind sehr geschmackvoll eingerichtet ist und dazu super sauber. Hygiene wird im ganzen Haus, gerade im Zusammenhang von Erkältungskeimen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sehr sehr groß geschrieben, was ich sehr begrüße.
Ich habe viele Anwendungen, doch momentan ist das Angebot noch etwas unübersichtlich. Vor Langeweile braucht mich sich jedoch nicht sorgen. Ich fürchte eher, ich kann mich gar nicht so entspannen wie gewünscht, weil es so viele Möglichkeiten gibt; Aber das werde ich hier sicher lernen.

 

Alles Liebe
Mari

PS: Im Anschluss noch ein Song von Sigur Rós, den ich sehr mag. Er ist energisch und voller Energie und gleichzeitig so harmonisierend wie Walgesänge, wozu sicht nicht wneig das Video zu beiträgt. Bin gespannt, ob es euch gefällt.

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  1. Ich wünsche Dir eine gute Rehazeit und hoffe, es gibt auch ein paar Angebote, bei welchen es um das Innere geht.
    Am Anfang einer Reha fühlt man sich gerne mal leicht überfordert, das geht aber allen so.

    lieben gruss
    sue

  2. eine reha kann ganz viel bewirken, genieße die zeit für dich ganz intensiv und bleib so lang als möglich, und so lange du es schön und hilfreich findest. das leben ist für alle menschen wie ein tanz auf einem vulkan, aber nur wenige menschen haben das wissen darüber. unser wissen sollte uns nicht dazu verleiten, ängstlich, traurig oder verzagt zu sein. lasst uns tanzen! ganz liebe grüße mama

  3. Erhol dich schön und lass deinen winterlichen Geist aufwecken! 🙂
    Frühlingshafte und sonnige Grüße aus Wismar,
    deine Johanna

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