Wenn im Universum die Lichter ausgehen

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Gut wieder zu Hause gelandet, erholt und voller Tatendrang starte ich wie neu geboren in meine Zukunft.
Ich denke, meine größte Stärke ist die Leidenschaft immer wieder voller Energie von vorne anzufangen zu wollen. Das schlimmste für Krebspatienten ist nämlich, nicht verzeihen und vergessen zu können und gekränkt und verletzt aufzugeben, um damit zu beginnen die Tage bis zum Ende zu zählen.

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Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand.
Das ist mein Beweis.

Wenn ich als Kind auf einem Papier zu Malen begonnen hatte und mir der erste Strich nicht gefiel, musste ein neues her. Im Laufe der Jahre lerne ich dazu, dass man manchmal an einem nicht enden wollenden und aussichtslosen Projekt dran bleiben muss, um sich selbst glücklich zu machen. In der Reha hatte ich dieses Gefühl oft beim Zeichnen und Malen. Doch auch im Zusammenleben mit dem Partner, beim Kochen oder selbst nur  beim Sport treiben – immer wieder muss man persönlich abwägen, wo der Punkt erreicht ist, an dem man nichts mehr tun kann, oder wann der eigene Einsatz gefragt ist, um einen Eintopf, ein Bild oder eine Beziehung zu retten.
Schlussendlich vor dem gelungen vollendeten oder geretteten Ergebnis zu stehen, führt uns unsere eigenen Stärken und Ressourcen, unsere Kreativität und unser Durchhaltevermögen, Sturheit und Selbstvertrauen auf.
Nicht selten blicken wir dann plötzlich auf etwas, auf das wir nie zu hoffen gewagt hätten.
Ich mache diese Erfahrung derzeit in Kreativität und Sport. In beiden Bereichen bin ich von meiner eigenen Kraft geradezu überrascht und fühle mich dadurch wieder richtig lebendig und den gesunden Menschen gleichwertig. Und natürlich bin ich auch von der Tatsache überrascht, so rasch nach der Erkrankung wieder derart fit zu sein.
Ich kann meine Krankheit tagelang vergessen und wären die fehlenden Haare nicht, wäre ich sicher noch besser darin, mich wieder wie vor der Diagnose zu fühlen.
Heute noch zufriedener, selbstbewusster, fitter als vor 18 Monaten. Und ein bisschen weiser sicherlich auch.

In drei Wochen beginnt das neue Semester und ich fürchte mich ein wenig vor dem „neuen“ Anfang, denn der Studienstart im vergangenen Semester war ja bekanntlich überaus holprig und unsanft, sodass ich im 2.Semester auf ruhige See hoffe und die gleiche Chance, die Studienanforderungen in einem ähnlichen körperlichen Zustand wie meine KommilitonInnen erleben und bewerkstelligen zu dürfen.

Die Jesustatue auf dem Zuckerhut in Rio de Janero@ Jens Witte

Die Jesustatue auf dem Zuckerhut in Rio de Janero
@ Jens Witte

Ich hoffe, die Frühlingssonne kommt bald heraus und kitzelt meine Teils schon stark spießenden Kopfhärchen. Merke: Haar wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht.

Ich schließe mit einem Zitat, das das Gleichgewicht des Lebens einmal wieder in so wunderschöne Worte packt, dass die federleichten Worte dabei unsere ganze schwere Existenz erleichtern.

„Traurigsein ist wohl etwas Natürliches. Es ist wohl ein Atemholen zur Freude, ein Vorbereiten der Seele dazu.“ (Paula Modersohn-Becker)

Alles Liebe
Mari

 

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