Heute im Eso-Laden

Standard

Sich im Esoterik-Laden als Krebspatientin erkennen zu geben, ist wie mit 15 in der Apotheke am Tresen nach Kondomen fragen zu müssen – zumindest bevor man Kondome (zum Glück) überall kaufen konnte.

Auf meiner Bummeltour durch den Laden, eigentlich wollte ich nur Räucherstäbchen kaufen, blieb ich bei den CDs mit Phantasiegeschichten hängen. Dir Verkäuferin wollte mehr über mein Käuferprofil wissen, um mich besser beraten zu können und so erfuhr sie und eine weitere anwesende Kundin mein Krankheitsgeheimnis. Die meisten Kunden hätten sich diskret verhalten- doch ich hatte wohl besonderes Glück..
Von meinem Bekenntnis angezogen beehrte sie unser Beratungsgespräch und brachte ihre Meinungen zu Rüdiger Dahlke, Simonton und anderen Heilungs-CDs ein und wer bereits wie viele Menschen geheilt hätte. Sie ließ natürlich nebenbei fallen, dass sie selbst drei Mal täglich diese CD von Simonton höre. Ich beteuerte immer wieder, dass ich auch im Besitz dieser CD sei, doch sie versuchte mich weiter davon zu überzeugen, dass Simonton ja der Beste sei..
Als ich mich langsam genervt wieder der Verkäuferin zuwandte, wurde sie noch penetranter, begann mir Ernährungstipps zu geben und fragte, ob ich schon von der Quark-Öl-Kost gehört hätte.
Meine Reaktion darauf, dass ich die Tippe kenne und das nun alles auch nicht hören wolle, fachten sie vollends an. Es muss die Mineral-Spirale gewesen sein, die an einem Bändchen um ihren Hals baumelte, oder das bis zu Augenschmerzen rot/gelb gebatikte T-Shirt, das der Frau ihre Missionsenergie gab, denn sonst sah sie ziemlich abgemagert aus. Auf jeden Fall setzte sie zum Finale an mit Sätzen wie:
„Wenn sie keine Ratschläge brauchen, weiß ich auch nicht“ oder „Mein Tumor schrumpft nunmal“, ehe ihr die Verkäuferin den Mund verbot.
Daraufhin trat die Frau endlich kopfschüttelnd aus dem Laden auf die Straße mit den Worten: „Es ist auch immer dasselbe..“

Heilsversprecher, Quacksalber, Selbsthelfer..
Jeder hat einen anderen VIEL wertvolleren Tipp.
Manche Menschen haben so erstaunlich wenig Empathie und Einsicht in ihren eigenen Verstand.
Dass diese Kundin des Eso-Ladens auch so aussah, als würde sie den ganzen Tag bei Quark und Leinöl zuhause ihre Entspannungs-CD hören, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.
Aber ich will ja auch keine Gehässigkeit walten lassen. Die ist arm genug dran mit DEM T-Shirt 😉

Anstrengend und nervig. Eigentlich die Komödie des heutigen Tages.
Aber irgendwie hat sie auch eine Wunde hinterlassen.

 

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  1. Leider wurde hier das „Eso Klische“ total bedient. Ich würde mich auch für esoterisch und spirituell halten und natürlich gebe ich gerne Tipps und Hinweise. Ich hatte selber Brustkrebs und das hat in meinem Leben einmal komplett alles umgestellt und aufgeräumt. Durch die Echthaarbänder die ich Verkaufe habe ich auch immer noch mit Krebspatienten oder Alopecia Patienten zu tun und schnacke auch oftmals gut und gern eine Stunde mit ihnen. Allerdings ist es für mich als „Eso Tante“ ein Widerspruch an sich, an all die Dinge zu glauben und dann anderen diese aufdränge zu wollen. Jeder muss seinen Weg selber finden und wenn ich merke, dass jemand offen dafür ist, gebe ich gerne Tipps und erzähle von meinen Erfahrunge aus dieser Richtung. Schade, dass du an eine so wenig empathische Beraterin gelangt bist! Denn das wirft auf viele die dies hier lesen bestimmt ein negatives Licht auf die Esoterik, was widerum das Schubladendenken verstärkt, und das ist eigentlich ein bisschen schade 😉 Aber was meinst du denn mit „Aber irgendwie hat sie auch eine Wunde hinterlassen“?

    Alles Liebe, Julia

    • Ja, ich will auch nicht alle in einen Topf werfen. Es war im eigentlichen Sinn auch keine Kritik an esoterischen Praxen, sondern an der Art mancher Menschen, ihr Wissen als Stein der Weisen verkaufen zu wollen- selbst wenn es nicht gewünscht und angemessen ist.
      Das bezieht sich ja nicht nur auf Esoterik. Ich schätze in jedem Hausarzt-Wartezimmer sitz eine „arme Wurst“, die ihre Krankheitsgeschichte am liebsten auf der Stirn stehen haben möchte, damit möglich viele danach fragen. Das liegt an der Vereinsamung der Menschen, vor allem derer, die auf irgendeine Art anders sind- das weiß ich wohl und ich möchte mich darüber nicht lustig machen. Dennoch nehme ich mir hier den Raum, Dampf abzulassen. Ich geh den anderen mit meinen großen und kleinen Zipperlein und Unbehaglichkeiten auch nicht ständig auf die Nerven, wenn es keinen Raum gibt, darüber auch zu reden. Und soviel Verständnis verlange ich auch von anderen – auch wenn ich mittlerweile weiß, dass ich das kaum erwarten kann und meine Einstellung auch nichzt ganz richtig ist. Denn sich zu öffnen ist etwas wunderbares..
      Und die Tatsache, dass es anderen gelingt ihren Tumor schrumpfen zu lassen macht mir auf der einen Seite Hoffnung, auf der anderen Seite hinterlässt es bei mir das schale Gefühl, dass ich nicht wie andere bin- manchmal komme ich mir vor wie eine tickende Zeitbombe. Und dass ich wegen einer so überflüssigen Situation wie mit der unfreundlichen Tante im Laden an meine Situation so unsanft erinnert werden muss, DAS hat bei mir eine Wunde gelassen. Man könnte es auch als Angst bezeichnen.

  2. manche müssen einfach immer wackeln, auch wenn sie keiner „stumpt“. jeder soll seinen weg suchen, der passt. und den eigenen weg als den einzig gangbaren anpreissen, zeigt auch von angst, denn wer kann schon sicher sein, dass das leben nur so gelingt?? wenn andere auch daran glauben, läßt sich die unsicherheit reduzieren. den eigenen weg finden und gehen, das ist stärke und kraft. ich glaube an dich! du machst meisterst dein leben ganz toll, du bist großartig!

  3. Mein Standardspruch auf solche schlauen Tipps ist immer: „sorry ich glaube weder an den Weihnachtsmann noch an den Osterhasen.“ dann hab ich meist Ruhe. Mich nerven auch immer diese „Wunderheilungs“- Erzählungen sehr.
    Ich hoffe Du kannst das dumme Gelaber bald wieder vergessen.

    lg sue

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