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„h“ entfernt

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Lange Zeit ist es mir negativ aufgefallen, dass ich beim Betrachten der Streusplit-Container am Straßenrand immer an eine unangenehme Phase in meinem Leben erinnert wurde. Ich empfand es sogar als etwas abfällig, so billigend mit dieser Wortverwandtschaft umzugehen.
Es verursachte ein regelrechtes Knirschen in meinen Zähnen, wenn ich mir beides in Kombination vorstellte- jedes Mal, wenn ich diese grau-orange-farbenen Truhen am Straßenrand sah.
Vcemo_MjA4NjMzXzIwODYzM1oielleicht haben es einige schon selbst bemerkt: Die Firma Chemo, als Beeitsteller der Streusplit-Container, kam auf die Idee, dass ihr Produktname  etwas zu Unrecht mit Chemie in Verbindung gebracht werden könnte, und nahmen kurzerhand das „h“ aus ihrem Namen. Die Sticker auf den Tonnen tauschten sie konsequenterweise fast überall aus.
Dass Menschen, die Chemotherapie bekommen, bei Rollsplitt an ihre zehrende Therapie denken und dass diese Kombination weit unangenehmer scheint als anders herum, lässt der Firmenchef unerwähnt. Trotzdem freue ich mich über das, wenn auch beiläufig entstandene Feingefühl und vor allem das Ergebnis.

http://www.sbz-online.de/Gentner.dll/PL_A_107328_208632

Noch ein letztes Mal

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„Sie waren im Paradies und haben es nicht gemerkt.
So geht es im übrigen den meisten Menschen auf dieser Welt.
Sie suchen das Leiden an den fröhlichsten Orten, weil sie glauben,
sie hätten es nicht verdient, glücklich zu sein“

(P. Coelho, Der Dämon und das Fräulein Prym)

Noch ist alles unter Kontrolle, noch weiß ich, was geschieht. Mein Körper ist zwar langsam wirklich geschwächt von der Chemo, aber meinem Kopf geht es gut. Morgen ist der Spuk vorbei, dann sind mein Körper und ich wieder alleine und müssen gegen den Krebs kämpfen- ohne Medizin. Zumindest ohne diese.. 21 Wochen Giftkur sind dann vorüber.
Es fült sich an, als säße da ein Dämon in mir drin, der mir zwar Schaden zufügt, aber der zu mir gehört und mit dem ich meinen Frieden gemacht habe. Nach morgen wird es diesen Dämon nicht mehr aufs neue geben und ich muss mich auf andere Umstände einstellen. Auf Haare, auf die OP, auf Medikamente jeden Tag und auf die Bestrahlung. Und dabei nahm mein Leben gerade wieder langsam Form an.. Es ist manchmal besser, seinen mächtigen Feind genau zu kennen, als einem schwächeren aber unbekannteren Gegener gegenüber stehen zu müssen, gegen den man noch nichts auszurichten weiß

Ich hoffe, die neuen Lebensformen werden auch so plastisch und die Sonne scheint weiterhin so schön und hilft mir, all das hinter mir zu lassen.