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Noch einmal alle Kräfte und positiven Gedanken mobilisierend..

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Vorletzter Zyklus – CHECK!!

Während ich noch mit den Folgen des 7. Chemozyklus kämpfe, stelle ich mit pausenlos vor, wie schön mein Leben ohne Chemo sein wird.
Das macht das Leben im Hier und Jetzt natürlich nicht einfacher und ist auch nicht gerade hilfreich in Sachen Geduld, aber ich vermisse mein altes Leben so sehr, dass ich am liebsten augenblicklich dahin zurück kehren möchte.
Dass es jedoch kein Zurück kommen gibt und dass ich mich von diesem alten Ich verabschieden muss, ist mir so langsam schmerzlich bewusst.
Es ist ein schwerer Abschied von alten liebgewordenen Nachlässigkeiten und Perspektiven. Das Wissen, das das eigene Leben weitgehend problemfrei vor sich hin trappelte und ich hinter vorgehaltene Hand annahm: „Wer Krebs hat, ist selber schuld- Man muss eben mit und an sich arbeiten und einen gesunden Lebenswandel pflegen“ Diese Zeiten waren augenblicklich vorbei..
ZACK!
Das manche  Krebserkrankungen so viel mit gesunder Lebensweise zu tun haben, wie das Christkind mit Weihnachten, macht die Erkrankung zu einem unbestimmbaren und unvorhersehbaren Schicksalsschlag, der noch dadurch getoppt wird, dass Aussenstehende oft davon ausgehen- man muss nur eine Psychotherapie machen um eine magische Wunderheilung zu erfahren.
In meinem Kopf duellieren sichdeher nun permanent Bauch und Verstand darum, was gerade gesünder, heilsamer und insgesamt besser für meine Konstitution wäre.
Ein so durchgehendes auf sich achten müssen macht irgendwann wütend.. in regelmäßigen Abständen. Unter anderem gerade jetzt.
Aber auch hierbei findet man keinen Gegner auf den man seine Wut projezieren kann. Der Krebs bin Ich- ich kann mich doch nicht selbst verachten. Und so spiele ich wieder einmal Schattenboxen bis ein Sonnenstrahl mich aus meiner Lethargie in eine bessere Zeit reißt oder ein Hoffnungsschimmer  mich mitnimmt auf eine Fantasiereise.

Schicksalsschläge warten hinter jeder Ecke und niemand ist vor ihnen gefeit. Auch das musste ich in der vergangenen Woche erneut lernen.  Das einzige, was einem dabei helfen kann, ist zu wissen, wer man selbst ist und was man erwartet vom Leben (MERKE: Nicht zu verwechseln mit: Was man erwarten KANN- denn das sind nicht selten die Blockaden in unseren Köpfen, die uns daran hindern zu träumen).
Ich traue den Stimmen nicht, die behaupten: Du kannst alles erreichen- du musst es nur wollen. Das trifft auf mich nicht zu- ehe ich bereit war, meine Bequemlichkeit aufzugeben um meine Träume ernsthaft anzugehen, war es schon zu spät. Und nach dem Krebs hat man oft andere Wünsche..
Allerdings glaube ich, dass man in niemandem einen besseren Gefährten finden kann, als in sich selbst. Und gerade in harten Zeiten ist es wichtig, sich selbst ein guter Freund zu sein, sich selbst in den Arm zu nehemen,  zahm zu sein und gemeinsam darauf zu warten, dass ein Sonnenstrahl vorbei kommt. Ich denke und hoffe, dass man so fast alles schaffen kann, da man jemanden hat, der mit einem weint und lacht und dem man seine tiefsten schlechten Gedanken mitteilen kann.
Und bei diesenSchattenkämpfen mit mir selbst nehme ich mein trotziges Selbst irgendwann auf den Schoß und sage leise und bestimmt, dass jetzte Schluss ist mit den Nörgeleien und das klappt (Ich bin nämlich ein sehr artige Kind- nur, um es mir selbst nicht allzu schwer zu machen). Und wenn ich dann einsehe, dass ich mein Leben nicht damit vertrödeln will, schönen Zeiten nachzutrauern, sehe ich wieder all die neuen Chancen am Horizont, etwas ganz anderes, vielleicht tolleres zu werden,als ich jemals vermocht hätte, hätte ich diesen Kampf nicht schlagen müssen.

Ausgerechnet in einem Kinderfilm fand ich gestern die tröstenden Worte, die mir gerade die Kraft schenken, die ich für die nächsten Monate brauchen werde.
Da sagt der sympatische Anti-Held Rango, eine dürre Eidechse mit Chamäleon-Fähigkeiten, so treffend: „Niemand kann vor seiner eigenen Geschichte weglaufen“
Und damit hat er verdammt recht!
Probleme sind nur ein geistiges Kontrukt. Wenn wire uns davon distanzieren, unsere Einstellung dazu ändern, sind manche davon wie weggeblasen..

(„Rate yourself and rake yourself,
Take all the courage you have left
Wasted on fixing all the problems
That you made in your own head“)

 

Die Zunge wie unter einer Nähmaschine

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Die letzte Chemo, in ihren Nebenwirkungen zum Glück nicht so massiv, wie vie vorherige, hat mir meine Mundschleimhaut, insbesondere meine Zunge jedoch ziemlich kaputt gemacht.
Von Mal zu Mal konnte ich in den vergangenen Tagen weniger Dinge essen, die durch ihre mechanische Reibung unerträgliche Schmerzen auf der Zunge bereitet. Vor allem daserade in dieser Zeit regelmäßig einzuhaltende Zähneputzen nach den Mahlzeiten ist eine Tortur..
Seit zwei Tagen esse ich daher hauptsächlich pürrierte Gemüsesuppe, das klappt ganz gut und ich merke, dass sich die Empfindsamkeit seit heute langsam aber stetig verringert. Soweit ich bisher dazu lesen konnte, kann man gegen die Schädigung nichts tun, da die Schleimhautzellen zu den sich schnell teilenden Zellen gehören, die mit der Chemo zerstört werden. Doch man kann wirkungsvoll dagegen angehen, dass es nicht noch schlimmer kommt. Hier einige Tipps:

Damit sich eine solche kaputte Mundschleimhaut nicht entzündet oder Pilzen (Mundsoor) anheimfällt, habe ich im Krankenhaus eine spezielle Mundspüllösung bekommen.
Diese Lösung Glandomed, ohne Alkohol und Menthol, soll mehrmal täglich nach dem Zähneputzen für einige Minuten angewendet werden. Sie fühlt sich nach dem unangenehmen Zähneputzen angenehm lindernd an und verhindert Entzündungen und Aphten im Mundraum. Leider ist sie nicht gerade billig (500ml zu knapp 14€), doch da ich Mundspülungen unverzichtbar finde und wegen des enthaltenen Alkohols und ätherische Ölen, nichts anderes zur Zeit angwenden kann, ist es mir diese Investition wert.
Zusätzlich wurde mir im Krankenhaus empfohlen, nachd em Mundspülen prophylaktisch Ampho-Moronal Suspension einzunehmen, damit sich erst gar kein Pilz ansiedeln kann. Die Lösung ist viel angenehmer als die Lutschtabletten mit demselben Namen und schmeckt nicht so schlecht (Geschmack erinnert leicht an Himbeere), doch komme ich bisher auch ohne zurecht und lasse diese Behandlung daher aus. Wenn man jedoch zu Mundsoor neigt, ist es sicherlich klug, die Suspension prophylaktisch zu nehmen, als hinterher die Soorgeschichte behandeln zu müssen.
Als drittes „Pflaster“gab man mir im Krankenhaus noch Bepanthen-Lösung, zur Anwendung im Mund. Zum Spülen und betupfen. Auch die gibt es, wie die anderen beiden Artik zuvor auch, in der Apotheke. Mir persönlich hat dieses Mittel noch nicht viel geholfen, doch eine Freundin, die ihre Chemo bereits hinter sich hat, ist begeistert von der Lösung. Ich denke, dass auch hier wieder mehr Wirkung zu erwarten ist, wenn man offene Stellen und Entzündungen hat, als „nur“ chemo bedingte Schleimhautreduktion. Und ein Strohhalm ist es allemal, denn was beim einen nicht wirkt, tuts beim anderen eben manchmal doch.

Zum Spülen ist auch der bereits im vorherigen Post genannter „Spültee“ gut geeignet (vor allem billiger). Er desinfiziert und hilft beim Heilen. Ich persönlich war unter meinem alten Chemo-medikament auch sehr begeistert vond em Tee. Mit meiner neuen Giftmischung, mag ich jedoch das Thymiangeschmack, ganz im Gegensatz zu vorher, nicht mehr gerne. Aber ich trinke den Tee eben auch immer. Nur zum Spülen könnte ich ihn daher auch wieder verwenden.

In letzter Zeit höre ich immer wieder über die positive Wirkung von gefrorenen Ananas-Stückchen oder gefrorenen Saftkugeln aus Ananas. Beim Lutschen soll sich durch die Enzyme in der Ananas wohl eine heiltuende Wirkung einstellen. Ich gebe diesen Tipp gern so weiter. Mir persönlich war in den letzten Tagen jedoch nicht danach, Ananas an meine empfindliche Mundschleimhaut zu lassen. Wer sich dennoch traut, es auszuprobieren, ich bin gespannt auf die Wirkung 🙂

Mein letzten Tipp zum Thema kaputte Mundschleimhaut scheint mir persönlich der wichtigste:
Sei geduldig mit dir und deinem Körper. Und vor allem, sei gerade in dieser schwierigen Zeit, durch die  dein Geist und dein Körper gehen muss, liebevoll und aufmerksam zu dir selbst.

Gute Besserung!

Wenn Krebs haben keinen Spaß mehr macht

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Was tun, wenn selbst die Sonderstellung, die eine lebensbedrohliche Krankheit einbringt, kein gutes Gefühl mehr birgt?
Als positiv denkender Mensch wusste ich der ersten Hälfte meiner Erkrankung viele neue Lehren und Eindrücke abzugewinnen. Doch seitdem befinde ich mich in einem, nennen wir es Therapieloch..
Der Tumor schrumpft, die Schleimhäute weichen, aber all das ist nichts aufregendes mehr. Es ist Normalität geworden. Sogar meine Haare beginnen wieder zu wachsen vor lauter Langweile.

Mein Umzug vergangene Woche lief glatt und gut über die Bühne. Motiviert durch mangelnde Körperkraft kamen tatsächlich neun Freunde zusammen, die mein Zeug in Blitzgeschwindigkeit in und aus dem Umzugstransporter schleppten. So großartig die Hilfe war, es ist schwierig zu bemerken und auch anzunehmen, dass man nicht mehr so belastbar und stark ist und bei einfachen Sachen, wie Umzugskatons packen, plötzlich Hilfe benötigt. Ich finde es schön, zu lernen, diese Hilfe langsam anerkennen zu können. Das ist ein Prozess, den ich nie gedacht hätte, durchmachen zu müssen. Aber so wie all das hier eigentlich. Schreibt man eine Krebserkrankung eigentlich in den Lebenslauf? Jeder, der diese Zeit durchgemacht hat, weiß, dass sie mindestens so intensiv ist, wie ein Forschungssemester an den Nordpol oder Schwanger mit Drilligen zu sein. Ich werde das heraus finden.

Der Status Quo: Ich gerate bereits ausser Atem, wenn ich leichte Steigungen mit dem Rad bewältigen muss- Fitness-Studio? Ein Wunschdenken gerade. Ein Schluck Früchtetee brennt wie 2cl. Scotch auf der Zunge, aber mein Freund sieht meinen Kopf an und spricht das erste Mal seit Monaten von „Frisur“ und nicht von „Glatze“.
Ich muss nur noch zwei Mal Gift in meinen Körper pumpen lassen und hoffe, dass es danach für den Rest meinen hoffentlich langen Lebens dabei bleiben wird und so ist es doch unterm Strich auch irgendwie wieder schön gerade 🙂

ISOLATION

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Nach der letzten Woche, die mich echt hart mitgenommen hat, voller Schmerzen, und schlechter Stimmung, bekam ich Mittwoch nach meinem mir selbst auferlegten Sportprogramm (das mir Besserung verschaffen sollte- mein Blut in Wallung bringen und die schmerzen weg atmen..) zu allem auch noch Fieber. Trotz warmer Kleidung, Mütze und zwei Decken blieb ich eiskalt und abends mit über 38° wusste ich dann, ich muss in die Uniklinik in Marburg gefahren werden.
Der Besuch in der Ambulanz brachte das Ergebnis: eine Leukozahl von 500 (normal wären 4-6000). Ich bekam sofort einen Mundschutz verpasst und wurde stationär aufgenommen. So liege ich seit Mittwoch isoliert im Krankenhaus und lasse mich aufpäppeln. Nach einem Tag mit Antibiotika und einen Aufbauspritze wurde die Isolation heute zum Glück aufgehoben, da meine Leukos schön schnell auf 1500 gewachsen sind, jedoch muss ich das Wochenende noch hier bleiben wegen der Antibiotika, die man intravenös weiter führen muss. Auch das Fieber will nicht richtig verschwinden. So ist es doch gut, dass ich mich hier um nichts kümmern muss und hoffe von Tag zu Tag, fitter zu werden.
Nun, da ich wenigstens wieder mein Zimmer verlassen darf, ist es halb so schlimm und genieße die pralle Sonne durch die großen Fenster. Mineralwasser und Tee so viel ich möchte. Frühstück, Mittag- und Abendessen im Bett und jemand der jeden Morgen um mich herum putzt. Es gibt schlimmeres 🙂

Ich stelle außerdem fest, dass die Uni in Marburg entweder mehr Mittel oder mehr Wissen darin besitzt, wie man mit Nebenwirkungen bei Chemotherapie umgeht.
Noch in derselben Nacht, in der ich auf Station kam, gab man mir drei verschiedene Mundspüllösungen, um meine Mundschleimhautentzündung endlich zu versorgen. Mir war bis dahin gar nicht aufgefallen, wie sehr meine Symptome und Beschwerden auch daher rührten, dass meine Mundflora den Geist aufgegeben hatte. In Mainz hatte mir bis dahin niemand etwas derartiges geraten. Gut, ich hatte bisher auch nicht die starken Probleme mit der Mundschleimhaut. Dennoch fühle ich mich hier um ein vielfaches besser versorgt und kann schmerzfrei wieder Saft und Brot zu mir nehmen.

Alles wird gut!

So spielt sich alles langsam wieder ein und außer Rückenschmerzen vom ständigen liegen, fühle ich mich langsam wieder lebendig.
Ich bin gespannt, wie die nächsten Zyklen werden. Der allererste Chemozyklus war ja auch körperlich härter zu verkraften als alle darauf folgenden und so hoffe ich, dass das neue Medikament nun einen harten Anfang macht, und die Nebenwirkungen mit den kommenden Zyklen nachlassen.
Ich stelle mich auf ein entspanntes Wochenende ein. Immerhin gibt es in der Klinik Studenten-Internet-Zugang und hoffe dennoch bis Mittwoch nach Hause zu können. Denn, da ist ja auch noch ein Umzug, den es für das Wochenende vorzubereiten gilt 🙂
Liebe gesunde Grüße

„Magic Mushrooms“ und Wunderkräuter im Krebsprinzessinnenland

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Die letzte Woche war einfach super. Fit, sportlich, fleißig und gesund.. Ich nehme gar nicht mehr wahr, dass ich eigentlich „krank“ bin.
Vorletzte und letzte Woche plagten mich dennoch ein wenig Nebenwirkungen und was ich dagegen gemacht habe, davon will ich hier berichten.

Fünf Tage nach der Chemo begann mich ein langsam dicker werdender Hals zu stören. Als die Schmerzen über den Abend hin zunahmen und meine Zunge aussah wie ein alter Wollteppich, stellte ich mich darauf ein, am nächsten Tag in die Uniklinik fahren zu müssen, die mich voraussichtlich mit Antibiotika nach Hause schicken würden..
Am nächsten morgen konnte ich ohne Schmerzen nicht mehr schlucken, jedoch waren Mandeln und Lymphknoten nicht dick. auch das Blutbild am Mittag in der Uniklinik zeigte nur gute Werte.. Jedoch 2,5 Stunden Wartezeit auf meinen Arzt in der Ambulanz und drei (!!!!)  Minuten Arztgespräch später hielt ich ein Rezept gegen Soor in der Hand..

Mundpilz?? Fragte ich ihn ungläubig. Wo bekommt man denn sowas her? „Chemotherapie“, entgegnete mein Arzt trocken „Sie vergessen, dass man permanent Candida Pilze  im Körper mit sich trägt, die sich bei Beeinträchtigung des Immunsystems zu einer Infektion ausweiten können“

Tolle Sache, dachte ich. Pilz in Speiseröhre und Mundraum.. Die Lutschtabletten musste ich vier mal täglich nach dem Essen lutschen. Jedoch waren die Dinger dermaßen unangenehm, dass ich einen Tag später zurück in Marburg eine angenehmere Alternative entwickelte:
Von meiner Perückerfriseurin hatte ich ein Rezept gegen Schleimhautentzündungen erhalten. Ein „Spültee“ aus verschiedenen Kräutern und Gewürzen, von dem ich mich inspirieren ließ..
Bereits in der Erkältungszeit wußte ich Thymian-Tee zu schätzen. Zusätzlich mischte ich Rosmarin (aus meinem Gewürzregal) und Salbei unter den Tee und trank  über den Tag verteilt ein bis zwei Liter. Vor allem nachdem ich etwas gegessen hatte. Die Tabletten ließ ich weg. Man sollte darauf achten, möglichst wenig Zucker und Kohlehydrate zu sich zu nehmen, da sich Hefelpilze von Zucker ernähren und wachsen können. Auch Fruchtsäfte und säuerliches Obst sind wegen des Zuckers und der Reizung durch die Fruchtsäure nicht angenehm.
Gut sind statt dessen ist Natur-Joghurt. Wegen des Säuregehalts, den Hilfepilze gar nicht mögen. Ich hab zum Beipspiel beim Fernsehen oder beim Arbeiten am PC einen Löffel Joghurt einige Minuten gelutscht. Das fühlte sich angenehm schmerzmildernd an.
Innerhalb eines Tages merkte ich eine Verbesserung, der Tee linderte den Schmerz und gab einen guten Geschmack. Zusammen mit meinem Sportprogramm (klingt komisch, aber während des Sports wurde mein Körper wohl einmal komplett so gut durchblutet, dass ich eine deutliche Besserung der Beschwerden nach der Sportstunde feststellen konnte, die konstant blieb) war der Pilz nach drei Tagen verschwunden, in der selben Zeit, wie ich die Tabletten hätte auch noch nehmen müssen- nur angenehmer.
Zurück blieb eine geschundene rote und schmerzenede Zunge, wie wenn man sich mit zu heißem Kaffee verbrannt hat. Nach zwei Tagen mit Mundspüllösung Meridol und nicht viel Besserung versuchte ich Japanisches Heilöl (Pfefferminzöl). Ein bis zwei Tropfen mit etwas Wasser nach dem Zähneputzen zum Spülen half Wunder. Nach zwei Tagen war ich wieder komplett hergestellt..

Mit diesen Tipps hab ich mir die Woche mit Soor angenehmer gestaltet, als es mir von Arztwegen möglich gewesen wäre. Wahrscheinlich wusste der Arzt nicht, dass Phytotherapie mir super helfen würde, aber ich hätte mir gewünscht, er hätte mir neben dem Rezept für unangenehmen Lutschtabletten den wertvollen Ratschlag auf den Weg gegeben, entsprechende Tees und Spülungen anzuwenden, denn viele Menschen leiden unter den selben Beschwerden und kommen nicht erst darauf, diese mit Naturheilmitteln zu vertreiben.

Der Spültee gegen Entzündungen des Mundraums (Mukositis) besteht übrigens aus:
-4 Gewürznelken
– 1 kl. Stck. Zimtrinde
– je ein Teelöffel Rosmarin, Thymian, Majoran, Bohnenkraut, Salbei

Diese Mischung mit 1 Liter kochendem Wasser ausgießen und 10 Minuten ziehen lassen. Dieser Tee zum Spülen der Mundhöhle verwenden oder trinken.

Liebe Grüße
Mari

Neues Jahr-Neues Ich

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Chemo No.4 liegt hinter mir und mein Körper macht mittlerweile fast kein Umstand mehr daraus, dass er alle drei Wochen mit schweren Giftstoffen beschossen wird.
So als wär nichts, weicht der Tumo langsam aber beständig auf, ich werde immer fitter und spüre immer weniger Nebenwirkungen. Trockene Schleimhäute,  Müdigkeit, Schmerzen? Fehlanzeige!

Meine Mutter legte mir neben verschiedener Literatur in den letzten Wochen auch das Buch „Dem Krebs davon leben“ von Annette Rexrodt von Fircks bereit. Persönlich hätte mich das Buch wegen des Titels und dem Bild der Autorin auf dem Cover  nicht besonders angesprochen, doch ein Blick ins Inhaltsverzeichnis machte mich neugierig und so verschlang ich die Lektür in wenigen Stunden und fühlte mich unheimlich beseelt durch die Schilderungen und Erfahrungen der Autorin.
Die für mich eindruckvollste Aussage des Buchs ist, dass es viel Kreativität und Kraft kostet, mit seinem Körper in Verbindung zu treten und dass es jedoch nicht wenige Wege gibt, dies zu tun. Zum Dank beglückt einen der eigene Körper durch Zufriedenheit und Gesundheit und das wurde mit anhand der vielen Beispiele aus dem Alltag der Autorin deutlich.

Ich habe mich mehrmals beim Lesen mit FrauRexrodt von Fircks verglichen und dabei einige Gemeinsamkeiten feststellen können. Vor allem aber habe ich endlich gemerkt, dass ich ein solchen Glück habe, die Chemo mit einem nahezu unbeschädigten Fitness-Level zu bewältigen, dass ich dieses Geschenk nicht mehr einfach aufs Spiel setzten möchte.
Die Heilungschancen sowie die Gefahr, nach einer Primärerkrankung einen Rückfall zu erleiden lassen sich durch Sport so dramatisch verbessern, dass ich nunkeine Zeit mehr verstreichen lassen mochte und mich gestern kurz entschlossen Im Fitness-Studio angemeldet habe. (yeah!!)

Das Probetraining war wie eine Kraftquelle nach Wochen der Schonung, die ich meinem Körper angetan hatte. 30 Minuten Crosstrainer waren für mich früher schon herausfordernd, gestern erschienen sie mir wie ein Schrei nach Lebendigkeit, Gesundheit und Kraft. Ich fühlte mich so gut.
Natürlich ist das oft der erste Effekt von dem Menschen berichten, die sich plötzlich im Fitness-Studio anmelden. Sie starten steil und gehen nach sechs Wochen gar nicht mehr hin.
Mit meinem Hintergrundwissen jedoch und dem Geschenk, dass ich durch regelmäßiges Trainieren erhalte, trifft auf mich eine andere Motivation zu und vor allem: Wann habe ich schon mal so viel freie Zeit und Gelegenheit für Sport wie jetzt?
Durch die persönliche Begleitung im Studio habe ich das Gefühl, optimal ohne Überanstregung an meiner Ausdauer zu arbeiten. Denn zuviel machen wäre nun auch der falsche Weg.

Ich verspreche mir sehr viel von meiner neu entdeckten sportlichen Seite. Sie schenkt mir bereits jetzt Kontunuität, Lebensfreude und ein Etappenziel verbunden mit einem Hobby, das nichts mit Krankheit und Tod zu tun hat- in den letzten Monaten ein relativ seltenes Gut.

Ein schöner neuer Start in ein neues Jahr, ein neues Ich und eine bessere Gesundheit

Hier noch ein schönes Lied zu Schluss. Von einem echten deutschen Piraten mit echten Piratenzähnen einem einem Sinn für wahre Worte

Neujahrsansprache der Krebsprinzessin

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Neues Jahr, neues Glück.

Leider beginnt das neue Jahr bzw. endet der letzte Zyklus ohne aktuelle Chemopostkarte No.3. An alle Abonnenten bitte ich dies zu entschuldigen.
Ohnehin sind alle noch ganz gesättigt von Weihnachtspostkarten, Paketanhängertexten und dem „Süßer die Glocken nie klingen“, das in den letzten Wochen durch jede Fußgängerzone schallte. Ein Jahresrückblick rückblickt den nächsten und alle fragen sich, wie sind wir das ganze Jahr ohne ausgekommen?

Nichts dest trotz sind die Feiertag an uns allen vorbei gegangen und ich für meinen Teil beschnuppere voller Begeisterung das neue Jahr, das wie ein großes weißen Blatt Papier vor mir liegt und alle Möglichkeiten offen zu halten scheint. Voller Zuversicht und Freude wende ich meinen Blick auf den Sommer. Juli, Haare, Krebsfrei..
Zumindest meine Gesundheit hat sich wunderbar gehalten und so war ich vergangene Woche mit vielen lieben Menschen wandern, feierte Silvester mit dem ein und anderen alkoholischen Getränk und auch heute waren meine Blutwerte wieder wie die einer Durchschnittsfrau ohne Grunderkrankungen. Also alles im Normalbereich. Scheinbar durchaus eine Seltenheit.

Morgen ist Halbzeit. Bergfest, Zwischenstand.. Ich hätte nicht gedacht, dass die Zeit so schnell vorüber geht. Ich komme sogar kaum dazu, die ganze freie Zeit zu nutzen, die mir zu Verfügung stünde, wären da nicht Papierkram, Ämter, Recherchen und bald muss ich auch noch umziehen..
Es kommt eben alles immer zur rechten Zeit. Bei all den Anforderungen stecke ich nicht den Kopf in den Sand und kann dennoch kaum nachvollziehen, wenn meine Freunde mich dafür rühmen, so mutig und stark mit all dem umzugehen. Ich meine: Das ist nun mal mein Leben. Was soll ich bitte anders tun, als einfach immer das beste daraus zu machen?

Und gerade deshalb machen mich die vielen lieb gemeinten Genesungs- und Kraftwünsche manchmal traurig. Ich will nichts anderes, als soweit wie möglich normal weitermachen. Will gerne auch mal einen Tag vergessen, was gerade in meinem Leben passiert und möchte gern über andere Sachen, als Krankheit, Blutwerte und Operationen sprechen. So wie früher. Aber es geht nicht.
Wenn man Krebs hat, dann ist das nicht mehr so einfach. Man ist umgeben von diesen Dingen. Trifft Krebspatienten, informiert sich zu seinen Befunden, hat seine Werte, seinen Behandlungsplan, seine Termine im Blick und versucht gleichzeitig für sich selbst, den Psychologen, den Onkologen und den Alternativheiler mitzudenken, um bloß keine Heilungschance ausser Acht gelassen zu haben. Zwischen Enzymsaft und Pilzextrakt, der täglichen Orange, dem obigatorischen Nagellack und den Leinsamen ein bisschen Normalität und nicht mehr denken: „Das dritte Glas Sekt hätte ich meiner Leber aber nicht antun brauchen“.
In einem Moment schmelze ich dahin bei all den guten Wünschen und Geschenken und dabei wird mir klar, dass ich auf der anderen Seite stehe. Auf der Mitleidsschiene. Das sticht, direkt ins Bewusstsein.

Meine Freundin meinte gestern: Wenn es eine Prüfung ist, so bekommen sie nur die Stärksten unter uns.

Faked Panda - Die schönen Dinge im Leben beruhen manchmal auch auf einem Betrachtungsfehler

Das Mittel zum Zweck und Der Zweck heiligt die Mittel. Das ist meine Gedankenformel seit Wochen. Krebs ist nun mal eine Ausnahmesituation, egal, wie gut man ihn körperlich bewältigt. Aber ich bin froh um meine Mitstreiter: die  Schlechte-Laune-Räuber, Trauer-weg-Drücker und Krebsvergessen-Macher, die mit ihren Geschichten, Gefallen und Geschenken ein bisschen aus ihrem Leben in meins bringen und mich dabei sein lassen in der Welt der Normalos. Und dabei fällt mir ein: Wie vermessen. „Unter jedem Dach ein Ach„.. Wir sitzen alle im selben Boot.

Willkommen in meiner Welt

Mal so – mal so

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Riiiiesengroßer Spaß beim Wochenendausflug nach Frankfurt. Auch oben ohne!

Wenn ich seit meiner Chemo bereits eins gelernt habe, so ist es, dass kein Tag ist, wie der andere.
Nachdem ich letzte Woche mit meinen Blutwerten hausieren gegangen bin, rutschten sie diese Woche so dermaßen in der Keller dass ich mich wirklich wundere, wie die Veränderungen von statten gehen und wie man es merken oder vielleicht auch beeinflussen kann.
Die Pharmakonzernfreundliche Uniklinik verordnet erst mal wieder Antibiotika. Als Vorbeugung!!  (Ich werde es nicht nehmen und weiterhin das Wohlfühlprogramm fahren). Dabei fühlte ich mich pudelwohl, bis ich wusste, dass meine Leukos auf 1,9 geschrumpft sind.
Selbst seitdem fühle ich mich nicht kränker als zuvor, jedoch wurde ich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Und zwar, dass Chemo nun mal kein Zuckerschlecken ist. Das hatte ich die vergangenen zwei Wochen fast vergessen.
Am Wochenende gibt es wieder Apfelkuchen, wenn das mal nichts hilft..

Das vergangene Wochenende ging ich oben ohne.
Mit Unterstützung meiner Freundin wagte ich mein Outing und zog im voll besessenen Frühstückscafé die Mütze ab und.. NICHTS schlimmes passierte !!  Seitdem gehe ich selbstbewusst und liebevoll mit meinem Glatzkopf um und ernte nur nette Blicke und höfliche Gesten.
Ich hoffe dadurch natürlich auch, anderen unter ihren Perücken Mut zu machen, aus ihrer Heimlichkeit heraus zu treten und sich auch so zu zeigen, wie sie sind. Wenn man sich den Schritt erst einmal getraut hat, kommen einem die vielen Menschen mit ihren Haaren manchmal direkt lächerlich vor; All die Zeit, die man in seine Haare investiert. Ich muss mich nun nicht mehr vor Bad-hair days fürchten!

Wegen guter Führung sofort entlassen*

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Zweite Chemo, erster Bluttest. Ich fühl mich super, was hatte ich zu befürchten?

Es stellte sich heraus, dass meine Werte von einem Nicht-Chemo-Patienten nicht zu unterscheiden sind und hätte mir vor sechs Monaten jemand gesagt, dass ich eines Tages einen Hb-Wert von 17,5 haben würde, hätte ich ihr oder ihm den Vogel gezeigt..
ICH, die bei der Blutspende nie bis ins Spenderzimmer vordrang, weil der Hb-Wert stets zu niedrig lag.

So ändern sich die Zeiten.. Jetzt könnte ich endlich Blutspenden gehen- wenn da nicht.. Ja wenn ich nicht Chemotherapie bekommen würde..  Verrückt!

Auf der Suche nach dem Faktor, der mir solches Wohlempfinden beschehrt; mich so sorgenfrei und gesund erhalten lässt- den Faktor, den ich beibehalten muss, damit es mir die kommenden 20. Wochen auch so geht, meinten meine Freunde gestern: Mach genaus so weiter. So wie du es machst, ist es doch super!

Es ist immer schön, ein Talent in sich zu entdecken. Und wenn es nur das Talent ist, selbst genau das richtige für sich zu tun und trotz schadvoller Einflüsse die Freude am Leben und die guten Blutwerte nicht zu verlieren 🙂

 

*Zitat der Schwester in der Chemoambulanz beim Anblick meiner Blutergebnisse