Schlagwort-Archive: Haarverlust

Verwandlungsköpfe

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Vergangene Woche habe ich mich mal wieder von meinem Hörbuch „Das Mädchen mit den neun Perücken“ anstecken lassen und habe ein paar Perücken bei Amazon bestellt. Man muss sagen, dass die wirklich eine riesen Auswahl haben. Und die Qualität ist auch nicht soo übel. Leider war für mich nur eine passende dabei, aber vielleicht können andere mit dem Tipp mehr damit anfangen. Vor allem sogenannte Cosplay-Perücken, im Stil der Manga-Figuren sind in allen Farben, Formen, Längen und noch dazu sehr günstig zu bekommen und noch dazu hitze und pflegeunempfindlich.
Ich merke, dass ich mich einfach schon zu sehr an den Luxus gewöhnt habe, keine Haare zu haben, die mir ins Gesicht fallen, seitdem stört mich all sowas fundamental. Wenn der Haarverlust die Einzige Nebenwirkung der Chemotherapie wäre-ich hatte vollkommen kein Problem damit.

Hier eine kleine Auswahl an Fotos der Perücken, die ich mir bestellt habe. Letzten Endes hat die Rote das Rennen gemacht. Eine blonde Langhaarperücke war zu dämlich, um sie überhaupt abzulichten.

Die Kapuze auf dem letzten Bild hab ich vergangene Woche für mich genäht. Sie ist saugemütlich und super, um gegen meine Rückenschmerzen anzugehen, die dadurch ausgelöst wurden, dass es mir durch meine Mützen zwar nicht mehr am Kopf zog, aber leider nach wie vor am Nacken. Langsam pendelt sich alles ein. Vom Kopf  bis zum Rücken..

Viel Spaß beim Schmunzeln 😀

Was ist Weiblichkeit

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Wir Frauen definieren uns so sehr über unsere weiblichen Attribute, dass es uns unmöglich erscheint, uns jenseits dieser Attribute  immer noch als das zu definieren, das wir sind. Dieser Prozess beginnt erst, wenn unsere Wahlfreiheit ausgeschaltet ist und unsere Attribute durch Gewalt oder Krankheit bedroht werden.
Fragt man Frauen, was  sie als Mensch ausmacht, käme in Wahrheit niemand auf Beispiele wie Haare, Brüste oder reine Haut. Doch sind diese Körpermerkmale bedroht, beginnen viele Menschen ihre Wertigkeit als volle Frau in Frage zu stellen.

Erst die Auseinandersetzung mit der Trauer und der Blick auf das, was bleibt, lenkt den Blick auf die eigentlichen Kompetenzen und Merkmale des Frau-Seins und ermöglicht die Entdeckung und Entwicklung bisher ungeachter Potentiale und Marker von Weiblichkeit und persönlichem Wohlbefinden.
Was definiert uns als Frau, wenn wir uns nicht auf unsere äußeren Charakteristika berufen können?

Für mich sind das Eigenschaften wie Lebensfreude, Nachgiebigkeit, Mitgefühl, Lachen und Farben.
All diese Attribute sind mir seid meiner Diagnose erst so richtig bewusst geworden und es macht Spaß, sie zu leben. Das fühlt sich weiblich an.
Tanzen, Träumen, Lesen.. Endlich habe ich Zeit, meinen Kopf auf das zu justieren, was im Leben für mich wichtig ist. Liebe, Familie, Freunde. Nichts ist so wertvoll. Und natürlich Apfelkuchen für alle!

Ich wünsche euch ein schönes drittes Adventwochenende. Lasst euch nicht stressen!
Zündet doch in einem ruhigen Moment mal eine Kerze an, setzt euch mit einer frisch gekochten Tasse Tee davor und achtet einfach nur auf euren Atem. Ihr werdet sehen, nach einer Zeit macht sich Frieden breit und schafft Platz für das Wesentliche.

Und im Anschluss eins der wohl wundervollsten Songs der Welt. Basierend auf einem Kolumne von Mary Schmich im Chicago Tribune von 1997 in einem Song von Baz Luhrman von 1999

Namaste

Mal so – mal so

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Riiiiesengroßer Spaß beim Wochenendausflug nach Frankfurt. Auch oben ohne!

Wenn ich seit meiner Chemo bereits eins gelernt habe, so ist es, dass kein Tag ist, wie der andere.
Nachdem ich letzte Woche mit meinen Blutwerten hausieren gegangen bin, rutschten sie diese Woche so dermaßen in der Keller dass ich mich wirklich wundere, wie die Veränderungen von statten gehen und wie man es merken oder vielleicht auch beeinflussen kann.
Die Pharmakonzernfreundliche Uniklinik verordnet erst mal wieder Antibiotika. Als Vorbeugung!!  (Ich werde es nicht nehmen und weiterhin das Wohlfühlprogramm fahren). Dabei fühlte ich mich pudelwohl, bis ich wusste, dass meine Leukos auf 1,9 geschrumpft sind.
Selbst seitdem fühle ich mich nicht kränker als zuvor, jedoch wurde ich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Und zwar, dass Chemo nun mal kein Zuckerschlecken ist. Das hatte ich die vergangenen zwei Wochen fast vergessen.
Am Wochenende gibt es wieder Apfelkuchen, wenn das mal nichts hilft..

Das vergangene Wochenende ging ich oben ohne.
Mit Unterstützung meiner Freundin wagte ich mein Outing und zog im voll besessenen Frühstückscafé die Mütze ab und.. NICHTS schlimmes passierte !!  Seitdem gehe ich selbstbewusst und liebevoll mit meinem Glatzkopf um und ernte nur nette Blicke und höfliche Gesten.
Ich hoffe dadurch natürlich auch, anderen unter ihren Perücken Mut zu machen, aus ihrer Heimlichkeit heraus zu treten und sich auch so zu zeigen, wie sie sind. Wenn man sich den Schritt erst einmal getraut hat, kommen einem die vielen Menschen mit ihren Haaren manchmal direkt lächerlich vor; All die Zeit, die man in seine Haare investiert. Ich muss mich nun nicht mehr vor Bad-hair days fürchten!