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„Pantoffeln braucht die Wintermaus, für ihre kalten Füße“

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Bisher habe ich stets den Anspruch in meinem Blog vertreten, aufbauend zu sein. Glücklich und Hoffnungsvoll. Als gutes Beispiel wollte ich voran Schreiten und an Wunder glauben.

Längere Zeit habe ich zwar geschrieben, aber nicht gepostet. Es waren nette Beschreibungen meines Alltags, aber niemand hat immer die Sonne auf seiner Seite. Und vieles schien nun banal. Ein Krebs unter vielen-was macht das schon?
Besonders jetzt, wo der Winter und die kalte, dunkle Jahreszeit an die Haustüre klopft, kommt mir gesundes, helles und buntes Denken ein wenig schwer vor.

Und das wird sich bald ändern. Das sage ich mit der Überzeugung, die ich die vergangenen Monate nicht aufzubringen wagte und die ich in mir auch erst wachsen lassen muss. So!

Ich schreibe, weil ich sauer bin darüber, dass Menschen, die zuvor noch auf meinen Blogeintrag geantwortet haben, plötzlich sterben. Wütend macht mich die Lücke, die dieser Mensch hinterlässt. Ich fühle mich hilflos.

Ich bin mit Sicherheit nicht die gesundeste von euch Lesern.
Ich habe ernst zu nehmende Symptome. Eine Erkrankung die, wenn ich es zulassen würde, meinen Organismus sicher aus dem Takt und um seine Gesundheit bringen würde.

Der Brustkrebs in meinem Torso ist still. Leider regt sich noch ein Brustkrebs in meinem Kopf.
Es erscheint mir seltsam, denn das, was mich wirklich stört und Angst haben lässt, sind die fiesen Symptome einer Erkrankung meines Systems. Niemand weiß, ob Sie wieder verschwinden. Ob ich den richtigen Weg einschlage. Ob mir das Wunder geschieht und ich eines Tages symptomfrei leben kann und was ich dazu tun muss. WAS mir gut tut!
Nun ist jedes Leben so fragil und durch Zerbrechlichkeit gekennzeichnet. Daran halte ich mich oft fest – Leider spendet mir das kaum Trost.
Trost und Kraft bietet mir das normale Leben. In dem es nicht um meine gesundheitlichen Probleme geht. Die Freude, die mir geschenkt wird. Der Kummer, der kommt und geht, und das Leben manchmal nett passiert, so als wäre es wie kein anderes so schön. Die Hoffnung steht oft schon hinter dem nächsten Abschnitt, nach den vielen Durststrecken parat.

Ich könnte als Mensch vieles tun, Mehr Bewegung, Sport, Freude, Feier, Zusammenkunft und nicht zuletzt manches Heilsversprechen nutzen. „Gesunde“ Menschen bekommen diesen Katalog wenig vor die Nase gehalten. Ich trage ihn pausenlos mit mir. Doof.

Aber ich bin glücklich, vielen Menschen so wichtig zu sein. Das freut mich immer sehr.
Ich wünsche mir für mich, die Gewissheit über mein Können und meine glücklichen Fügungen noch häufiger sehen zu können.
Im wahrsten Sinne des Wortes sehe ich gerade nicht gut, aber ich bin immerhin bis hierher einen guten, glücklichen Weg gegangen, voller toller Menschen und den Gegebenheiten des Lebens.
Ich wünsche mir, ebenfalls im wahrsten Sinne des Wortes, bald wieder klar sehen zu können und die vielen Gelegenheiten, die ich an mir vorbei ziehen sehe, zu   ergreifen.

Weil es gerade so gut zu mir und dem Text passt, hier noch einmal die schöne und sehr wertvolle Geschichte von Frederick, der Maus

Und sehr nett als Ergänzung: http://www.lebeblog.de/frederick-die-maus/

Mit dem Gefühl, nicht vollkommen zu sein, obwohl ich es schon immer bin:

Eure Mari

Vogelgezwischer- so ein wundervolles Geräusch

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noch mit einer schönen Geschichtem

Guten Morgen

So, es gibt mich noch.
Ich bin nach langen Monaten von Freud und Leid wieder aus meinem gemütlichen Mäuseloch geklettert,um euch ein Lebenszeichen und ein Geschichte mitzubringen.

Mein Blobeitrag-Rhythmus lag die letzte Zeit ungefähr bei einem Beitrag pro Monat. Doch der letzte Beitrag war im Januar. Seitdem saß ich relativ munter in meinem Mäuseloch und habe versucht, Farben und Geschichten für den kalten Winter zu sammeln. Fast wie Frederick, die Maus.

Ich bin im Frühjahr umgezogen und habe das Leben in einer Zwischenmiet-WG umgetauscht gegen eine Ein-Zimmer-Wohnung. Das Suchen einer Behausung jedweder Art in Darmstadt war, wenn man nicht zu den Studenten gehört und älter als 26 Jahre ist, milde gesagt schwer.
Es brauchte mehrere Wochen ehe der Umzug, Einzug, Packen, Auspacken und neue Möbel aufstellen erledigt waren. Gut, dass meine Eltern mir dabei helfen konnten. Sie übernahmen sogar einen großen Teil. Alleine hätte ich das niemals geschafft. Vielen Dank 🙂

Während des Umzugs traten die, durch meine Erkrankung bestehenden Defizite, erst voll in mein Bewusstsein. Seitdem ist das Hin und Her zwischen Ärzten, Arbeit und Erschöpfung auch für mich spürbar. Was schön werden sollte ist für zu Zeit sehr schwer auszuhalten. Man will mir helfen, ist mir gut zugetan, doch das ständige Auseinandersetzen mit meinem Krebs, der Epilepsie, meine Nicht-Können und meinen Fähigkeit setzt mich unter sehr viel Druck. Die Epilepsie ist häufiger gekommen, mein Mut weniger und ein Loslassen der Schnur käme einer Kapitalulation mit vielen negativen Auswirkungen gleich. Regeln und Gesetze sind für junge Krebs-Kranke wohl nicht gemacht. Die Bürokratie lässt ihre Paragraphen regnen, zu denen man scheinbar eine Fachfrau/Mann braucht. Ob erkrankt oder nicht.
Traurig genug. Es wird weiter geschwommen und zwar mit dem Kopf erhoben über dem Wasser-auch wenn ich mich manchmal untergetauscht fühle. Ich gebe die Schnur nicht frei. Aussicht auf Leben, Freunde und Arbeiten hält mich am Leben.

Leute in Darmstadt kennen zu lernen fällt mir weiterhin nicht ganz so einfach. Tanz- Ernährungs und Jonglage-Gruppen sind nach der Arbeit durch meine Müdigkeit durch die Epilepsie-Medis kaum drin. Ich müsste michöfter vor die Tür setzen, noch ehe der Herbst kommt. Doch woher weiß ich was mein Körper braucht, wenn das inne Bedürfnis (vielleicht auch der Schweinehund) sagt: „Ich will hier liegen bleiben und schlafen“? 😉 Nicht ganz einfach zu unterscheiden. Wenn sich jemand hier angesprochen fühlt, sich mit mir zu treffen, nur zu!! Ich lade gerne mal jemanden zu mir ein, oder gehe ein Heißgetränk trinken.

Fernab dessen geht es mir sehr gut. Ich habe tolle Eltern, eine liebe Familie, einen Freund, Freunde (wenn auch nicht viele in Darmstadt), ein Dach über dem Kopf und genügend Geld für meinen Lebensunterhalt. Dazu zwei gesunde Füße; Das haben viele Menschen nicht.

Zudem habe ich ein bisschen was im Köpfchen, nicht nur Metastasen. Ich freue mich, dass ihr meinen Eintrag gelesen habt. Ich versorge euch nun noch mit einer schönen Geschichte, fast wie ein Märchen. Jeder glaubt keine Flügel zu haben-Nicht fliegen zu können. Doch wir haben sehr viel zu geben.

Alles Liebe, ganz viel Gesundheit, Gesundung und Lebensfreunde!

 

 

 

Gute Zeiten – Schlechte Zeiten

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Gute Zeiten – Schlechte Zeiten

Nun ist es wirklich etwas her, seit ich meinen letzten Post veröffentlicht habe.
Es war etwas Alltag in mein Leben zurück gekehrt. Ein bisschen Normalität, die es mir ermöglicht hat, mich mit meiner Nasenspitze mal wieder über den Tellerrand zu trauen.
Aber natürlich ist das Leben immer dann am schonungslosesten, wenn man sich in scheinbarer Sicherheit wähnt.
Nach 4 Monaten Ruhe, Hoffnung und freudiger Erwartung, dass sich die Metastasen zurückgebildet haben, bekam ich in der aktuellen Untersuchung den Befund: Es ist nichts explodiert, aber drei Herde seien vermutlich gewachsen. Die Tumor-Konferenz brachte den Vorschlag: Raus damit!
Nun bin ich am Überlegen, ob ich andre Methoden, Zweitmeinungen oder die Abwarte-taktik wählen soll und fühl mich erneut an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich ganz allein über mein Leben entscheiden muss, da mir niemand eine solch wichtige Entscheidung abnehmen kann. Dabei hatte ich gerade begonnen, mich endlich wieder anderen Dingen zuzuwenden, die in den letzten zwei Sommern zu kurz kamen.

Traurig aber wahr..

Und immer noch die Trauer um meine Haare..
Sie wachsen außer im oberen Kopfbereich ganz ordentlich, aber nach einer der beiden OPs (ein wird in der in der Stirngegend sein) würde ich noch schlimmer aussehen, als bisher.
Ich glaube, wenn ich wenigstens wieder meine vollen Haare hätte, könnte ich das alles irgendwie besser verkraften, aber so fühl ich mich einfach nur scheußlich stigmatisiert und vom Krebs auf ganzer Ebene in den Arsch getreten.

Es ist komisch zu sehen, mit wie viel Power ich diesen Blog begonnen habe und wie sich alles nun schon entwickelt hat. Ich versuche immer noch daran festzuhalten, dass alles wieder gut wird (Mit Haaren oder ohne), aber im Moment bräuchte ich mehr Überzeugungskraft und Hoffnung. Ich denke, es ist absolut normal, auch mal deprimierte Phasen in einer solch ernsten Lage wahrzunehmen, aber sie sind eben weitaus angsteinflößender, als so zu tun, als wäre dennoch alles in Ordnung.
Und Angst ist eben etwas, das ich gerade sehr stark spüre.

Vielleicht hat ja der ein oder andere Blogbesucher Lust, mir ein nettes Wort zu senden.
Ich würde mich freuen.

Und nun noch zu einem Musikalischen Ohrenschmaus, dem ich vergangene Woche auf einem Konzert beiwohnen durfte.

Alles Liebe, Liebe Grüße

Namaste

„And I’m trying my best to be tough
To pretend I am strong and can siphon it off
But I’m not who I wanted to be
In my heart I belong in a house by the sea“

 

„da“ – Ein Wort mit vielfacher Sinngebung

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Dem ist nichts hinzuzufügen!

Zugegeben, in der Reha befindet man sich nicht gerade am Nabel der Welt, am Schmelztiegel dessen, wo Geschichte geschrieben wird und neue Epochen beginnen. Doch man lernt, da zu sein. Und mehr braucht es manchmal nicht, um seinem Leben eine neue Wendung oder neue Inhalte zu geben.
Endlich ernte ich ein paar Erfolgserlebnisse des Sporttrainings. Ein behagliches Gefühl- sei es Endorphin oder einfach Glück überschwemmte mich, als ich am Freitag Vormittag mit meinem vitalen Bewegungsprogramm durch war.
Heute waren mir nach zwei Stunden Tai Chi-Kurs am Morgen und einem Nachmittagsausflug ins DDR-Grenzmuseum und die Innenstadt zwar nicht mehr nach Sport, doch ich denke geistig und emotional habe ich mit Facebook, Google-Artikeln und mit dem guten Gewissen eines neuen Blog Artikels für heute genug getan und kann morgen früh wieder aktiv sportlich in den Tag und die neue Woche starten.

Rote Bäckchen bei Schnee und Eis auf der Wartburg

Rote Bäckchen bei Schnee und Eis auf der Wartburg

Monster-Lymphöden, oder: Hulk-Mari gegen das Böse

Im Reha-Zentrum, wo es Internet nur im Erdgeschoss gibt und wo bereits um 22:30 das Licht zunächst gedämpft und dann um 0:00 nahezu ganz gelöscht wird, sitze ich mit Ludovico Einaudi auf den Ohren und schreibe ins Internet-Off – Ich, ein ganz kleines Teilchen eines riesengroßen Ganzen – und fühle mich wunderbar umhüllt und gehalten von der Dichte der Welt um mich herum, die mich in diesem Moment absoluten Frieden und Stille erleben lässt. Eine innere Ruhe breitet sich in mir aus, wie sie vielleicht auf dieser Welt schon gar nicht mehr oft existiert..

Indem ich einfach da bin. Mit den Gedanken im Hier und Jetzt. In meiner eigenen Mitte.
Alles ist gut, nichts tut weh..

Ich denk an alle, denen es nicht so geht und sende ihnen  einen Teil meiner Ruhe und Gelassenheit die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Und gleichzeitig die Kraft und das Durchhaltevermögen, sich selbst  nicht aus den Augen zu verlieren.
Ich habe leider nicht heraus finden können, wer diesen Satz in dieser Form zuerst so verfasst hat, aber er kam mir gestern wieder in den Sinn und ich möchte ihn gern mit euch teilen:
„Tu Deinem Körper Gutes, damit die Seele gerne darin wohnt“

In diesem Sinne konnte ich mich auch nicht für ein einziges Lied entscheiden, dass ich euch passend zu meinem heutigen Eintrag mitgeben könnte. Daher zuerst das Stück von Ludovico Einaudi, das ich gerade unter anderem in Wiederholung höre.
Das zweite Lied ist  nicht mehr ganz neu und vielen sicher bekannt, doch heute erst habe ich mal auf den Text gehört und mich hat eine Lust auf Leben, Sonne und einfach Dabei sein ergriffen, die mich wohl so schnell nicht mehr los lassen wird.
Daher : Spürt am besten in euch selbst hinein, in welchem Gemütszustand ihr euch gerade befindet und wählt je nach Ruhe (Video 1) oder Aufbruchsbedürfnis (Video 2)  🙂

Eure Mari

„Ich will da sein
Wenn die Zeit gefriert
Ich will da sein
Wenn sie explodiert
Und wenn sich dabei
Mein Verstand verliert
Ich will da sein
Wenn es passiert“

Freud und Leid

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Seit Freitag durfte ich wegen der krassen Nebenwirkungen meine Tyverb-Medikation reduzieren. Glücksfall!!
Seitdem ist mein Appetit zurück gekehrt und mein Bauch jauchzt vor Freude über jede „Leckrigkeit“, die ich ihm vorsetze. Und ich jauchze natürlich mit, denn nichts ist so Freud- und Spaßraubend wie keinen Sinn fürs Essen mehr zu verspüren.
So habe ich also das Wochenende recht entspannt durchlebt, konnte Kraft tanken und mich langsam auf die kommende Woche einstellen. Ich merke wie ich von Tag zu Tag „entspannter“ wurde, aber irgendetwas trügerisches befindet sich in dieser „Entspannung“klimt-77

Morgen nun findet also die Nachuntersuchung meiner Strahlentherapie statt.

Bin ich aufgeregt?

Nein

Bin ich nervös?

Und wie!!

Ich habe das Gefühl, seit Tagen keinen geraden Satz mehr sprechen zu können und bin vollkommen verunsichert und ängstlich, wie es im Gespräch mit dem Arzt morgen sein wird.

Zu allem Überfluss habe ich heute auch noch die Absage der Stipendiums-Stiftung erhalten, bei der ich mich im Oktober beworben hatte.
Neben der Hiobsbotschaft der Metastasen, des neuen Studiums und dann der Bestrahlung hatte ich die Unterlagen zusammen gestellt, Empfehlungsschreiben besorgt, Motivationsschreiben verfasst und NUR, weil ich einen falschen Bogen ausgefüllt hatte, ist nun alles für die Tonne und ich wurde nicht einmal zum Gespräch eingeladen weil ich wegen meines Fehlers nicht geeignet für eine Förderung erscheine. Bitter und Frustrierend.. Aber eben meine Schuld..

Nun hoffe ich, dass nach diesem heutigen Mist-Tag morgen in der Klinik nur noch eine gute Nachrichten auf mich wartet. Ich glaube ich stelle den Sekt schon mal für alle Fälle kalt. Betrinken kann ich mich damit immer noch- egal wie es läuft.

Noch einmal schlafen. Ich fühle mich verschlossen und hermetisch abgesichert wie Tschernobyl. Ich hoffe nichts explodiert. Aber ich bin vorbereitet.

 

Hier noch ein Kampf-Song zum mitmachen und mitsingen:

„Sorry I was cruel, I was protecting myself
Drifting along with my swords out flying
Tattering my own cells and I tattered yours, too
Took you and rocked you around me like a spell

Oh, how now the cold seeps in, oh
Oh, how now I cast you into the wind

Wracked by winter, I’m cupping my coals in the sand
Growing like a starlight ‚cross the garden of night, I’ll think
Bones look lonely, memories surround me
Good times, skeletons are kicking at the ground

Oh, how the night drags on, oh
But I think I see a pink light and the coming of dawn
Oh, how the night drags on, oh
But in the fading of the constellations, I am growing strong“

Einfach durchhalten..

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Lange habe ich nichts von mir hören lassen, ich denke es wird einmal wieder Zeit für einen Einblick aus meinem Leben.

Der Dezember ist seltsamer Weise für viele Menschen eine Zeit, in der es mit der Stimmung und der Zuversicht nicht zum Besten gestellt ist. Die Menschen ackern sich ab und obwohl es ein Fest der Liebe im Dezember geben soll, artet es leider viel zu oft in ein Fest der Planung, Vorbereitung und Darstellung aus.
Nach nunmehr eineinhalb Jahren (mehr oder weniger) ohne Haare stand für mich der Darstellungsaspekt ganz besonders im Vordergrund. Ich will endlich nicht mehr mit diesem Krebskopf rumlaufen. Er frustriert mich jeden Tag, wenn ich ihn sehe und genauso möchte ich ihn anderen ersparen. Erstaunlich, dass das letztes Jahr noch so ganz anders ausgesehen hatte. Es scheint der Krebs bekommt auch mich langsam mürbe. Oder ist es bloß der dunkle Winter?
Nach dem euphorischen Hoch im Oktober durch Kortison und neue Perspektiven fehlt mir derzeit die Sonne und meine Medikamente nehmen mir jeglichen Appetit und verursachen ständig Übelkeit. Das kostet mich so viel Kraft. Denn ohne Essen keine Power, ohne Power keine Bewegung und ohne Bewegung keine Antriebskraft, Tatendrang und Lebensfreude.
Ich weiß, dass wieder bessere Zeiten kommen, aber im Augenblick kann ich auf die Frage: Wie geht’s dir? Nicht viel Tolles verlauten lassen.

Ich wünsch mir Sonne, Haare, Unbeschwertheit, Ich wünsch mir, dass die Dinge nicht permanent so kompliziert und schwer sein müssen. Ich wünsch mir, dass einfach mal jemand zu mir kommt, der mir Hoffnung machen kann. Ich wünsch mir meinen Hunger auf Leben zurück – Nicht mehr nur den Kampf darum.
Ich ertappe mich so oft neidisch bei der Betrachtung der Menschen in meiner Umwelt. Wie sehr würde ich mit manchem tauschen und mich in fremden Problemen vor Unbeschwertheit suhlen. Meine eigene Welt vergessen und einfach loslassen können.

Ich wünsch euch allen, jedoch am meisten mir, dass das kommende Jahr 2013 endlich wieder gute Nachrichten bereit hält. Vor allem Gesundheit und Normalität und Unbeschwertheit (und Haare!).
Ich bin mir mittlerweile sicher: Das hab ich mir verdient!

Alles Liebe und Gute und ein frohes und gesundes neues Jahr und nichts desto trotz ein riesiges Lächeln für euch 🙂

PS: Vergiss es Krebs, du kriegst mich nicht klein!!

Lebensfreude, Hoffnung und Buchtipps

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Zwei Wochen seit meinem letzten Post und es vergeht kein Morgen, an dem ich nicht wach im Bett auf die Rückkehr des Schlafes warte, und an dem ich nicht über Themen, Inhalte, Formulierungen und Satzfetzen für den neuen Artikel nachsinniere..
Heute ist Sonntag, draußen ist es noch immer dunkel. Der Trübung des Himmels nach zu urteilen, bleibt es den Rest des Tages bei dieser Helligkeitsstufe. Willkommen im Herbst.
Jo liegt noch wenige Meter entfernt und schläft seelenruhig, doch mir ist der Schlafgott in den vergangenen Wochen weniger gut gesonnen. Ich habe seit gestern Kopfweh und gehe jetzt endlich dem Drang nach, wieder einen Blogeintrag zu verfassen – vielleicht kommen die Kopfschmerzen ja von den Gedanken, die ich seit geraumer Zeit nun in meinem Kopf mit mir herum trage und die täglich mehr werden – Also hier: Raus mit euch!!!

Die letzten zwei Wochen anhand einer einzigen Emotion zusammen gefasst fallen mir mehr als leicht: GLÜCK!

Der epileptische Anfall hat mein Hirn scheinbar von Minus- auf reine Pluspole umgepolt.
Alle negativen Emotionen, Assoziationen und Gedanken, die der Mensch so den lieben, langen Tag mit sich herum schleppt und denen man sich reibt, verletzt und wundscheuert sind verschwunden.
Ich wache morgens (nach ca. 4-5 wertvollen Stunden Schlaf) weit vor meinem Wecker auf und spüre bereits Optimismus und Vorfreude in mir- was jedoch sicherlich nicht wenig auch mit dem neuen Motologie-Studium zusammen hängt und der Tatsache, dass ich wie auf dem Adventskalender als Kind jeden Tag einen Bestrahlungstermin abhaken kann. Die Hälfte der Ganzhirnbestrahlung liegt nämlich bereits hinter mir. (Yeay!!)

Das Studium hat eine euphorisierende Wirkung auf mich, denn bisher kann ich mich voll und ganz mit den Inhalten der Motologie identifizieren. Das gibt mir das Gefühl endlich angekommen zu sein in meiner Berufung- endlich HABE ich eine Berufung, das ist so viel wert!) . Die Leute sind so unglaublich freundlich, interessant, man kommt schnell in Kontakt und vielversprechende Gespräche und Blicke werden ausgetauscht, die die Freude auf die kommenden gemeinsamen zwei Jahre steigern.
Eine geradezu therapeutische Wirkung geht von diesem ganzen Master-Studium auf mich über und betankt mich mit Lebensmut und Kraft.
So sind meine Tage und vor allem mein Terminkalender seit drei Wochen so voll wie nie, doch jeden Abend fühle ich mich zufrieden und alles andere aus ausgesaugt oder leer.
Ich habe sogar den Eindruck, es stimmt wirklich was man sagt: Je mehr man zu tun hat und je mehr man in den Strudel der Erledigungen kommt, umso mehr bekommt man auch geschafft.

So habe ich beispielsweise am Montag zu allem auch noch endlich die Bewerbung für ein Studienstipendium bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung abgeschickt.
Ich hatte die Unterlagen seit Monaten zusammen stellen wollen, doch als dann die Hiobsbotschaft mit den Metastasen kam, habe ich im ersten Moment ja sogar das Studium und dann natürlich auch die Bewerbung in Frage gestellt.
Die letzten Wochen kam ich wegen den Untersuchungen, Behandlungen und dem Studiumsbeginn auch nicht dazu, doch vergangenes Wochenende habe ich endlich Nägel mit Köpfen, bzw. Papier mit Tinte walten lassen und konnte daher am Montag ein dickes Bündel Bewerbungunterlagen nach Berlin schicken.
Ich hoffe, der Aufwand hat sich für mich gelohnt- doch was die Entscheidung anbelangt werde ich mich noch weiter sechs Monate gedulden müssen.
Ein weiterer Meilenstein diese Woche war meine erste Hypnose.
Ich werde hier nicht ins Detail gehen, dann die Suggestionen und Bilder sind verständlicher Weise sehr kostbar und verlieren an Wert, wenn man allzu offen damit umgeht – doch ich bin sehr froh, den Weg dorthin gefunden zu haben und ich kann es wirklich empfehlen, wenn man Krankheiten oder Neurosen angehen möchte, sich nach einer vertrauensvollen Hypnotherapie umzusehen. Viel Halt und Einblicke in unterbewusste Inhalte werden nach oben befördert und im Zusammenspiel mit meiner ausgereiften und wie ich sagen würden tatkräftigen Psychohygiene, die ich mittlerweile an mir anwende, kann ich mir dadurch viele neue Wege auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Heilung erschließen.

Das bringt mich zu einem weiteren Punkt:
In den ersten zwei Wochen nach meiner Diagnose der Metastasen habe ich mich mal in der Stadtbücherei umgetan und bin dabei auf SEHR interessante Bücher gestoßen, denen ich mit die „Schuld“ geben würde, dass ich diese fragile Phase des Umsturzes so konstruktiv nutzen konnte.
Eine Krebsdiagnose ist immer ein Schlag zu Boden und wenn man als Betroffener in diesem Moment, in denen man sehr hilfsbedürftig aber eben auch empfänglich ist, die richtige Hand gereicht bekommt, macht das einen sehr entscheidenden Unterschied.
In meinem Fall war der Schlag noch etwas härter, denn ich wähnte mich, 12 Monate nach der Krebs-Diagnose und durch einen veränderten Lebenswandel, in absoluter Sicherheit, nun gesund zu sein. Dieser Einbruch des Vertrauens in meinen Körper wurde jedoch durch das Buch Das Geheimnis der Heilung von Faulstich fürsorglich aufgefangen und verwandelte sich in mir in pure Hoffnung, Zuversicht und den Glauben in meine eigene Kraft, mich selbst heilen zu können.

Für manche Menschen mag das abgehoben klingen und bestimmt hätte ich vor drei Monaten ähnliches behauptet, doch das Lesen darüber, dass Menschen nur durch Kraft der Hypnose und des Geistes ihre Krankheiten, Tumore und Gebrechen behandeln, teils heilen konnten, war für mich auf einmal lebenswichtig und ist es nach wie vor.

Aus diesem Grund möchte ich die Bücher, die mich in diesen Tagen gehalten haben gerne hier vorschlagen:

– Herbert Kappauf: Wunder sind möglich – Spontanheilung bei Krebs (in diesem Buch schildert der Autor zahlreiche Fälle, die mir Mut gemacht haben, eine von ihnen werden zu können)

-Weber, Walter: Hoffnung bei Krebs: Der Geist hilft dem Körper (auch hier sind viele Fallbeispiele beschrieben aber der Autor geht auch inhaltlich sehr auf konkrete Ursachenmodelle und Unterstützungsmechanismen ein. Ich fand es sehr spannend zu lesen und umzusetzen- etwas für Freunde der Psychologie).

Außerdem zwei Bücher von Joachim Faulstich:
– Das heilende Bewusstsein und
– Das Geheimnis der Heilung: Wie altes Wissen die Medizin verändert (wozu es auch eine    Doku gibt, die im Internet unter demselben Titel verfügbar ist).

Mit diesen Lesetipps und vielen positiven Energien verabschiede ich mich vom Computer in Richtung Bäcker, denn Jo und ich haben für heute Morgen ein phänomenales Frühstück geplant, dem es nun nur noch an den entsprechenden Backwaren fehlt 🙂
Ich sende, Liebe, Licht und Brötchenduft. Habt einen tollen und wunderschönen Sonntag, ob es regnet oder nicht (wir könnt es eh nicht ändern) und macht das Beste aus dem, was der Tag euch anbietet – Das Glück liegt in euren Händen!

Vertrauen auf das Gute

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Ich möchte es vermeiden, mir, dem Blog, und meiner Geschichte eine religiöse Ausrichtung zu verleihen, da ich mich mit Religion und Glauben weder festlegen noch anlegen möchte (Man weiß ja nie!!). Und doch spüre ich die große Präsenz des Themas in meinem momentanen Alltag.
Die Hinwendung der Menschen an Gott, die für mich beten und nicht zuletzt meine eigene Hoffnung, die für mich rational aus einem unglaublichen Pool des Vertrauens an das Gute gespeist wird, lassen mich über die Motivation und das Vorhandensein von Spiritualität nachdenken. Dieser Glaube, eine Gewissheit, die ich niemals so stark in meinem Leben gespürt habe- das kann doch kein Zufall sein!

Die gerade zahlreichen Termine in der Uni-Klinik führen mich immer von Abteilung zu Abteilung. Im Verbindungsflur des Uni-Klinikums Marburg durchquere ich dabei mehrfach den Flur mit der Kapelle und dem Krankenhaus-Pfarramt, wenn ich vom Neu- in den Altbau gehen muss.

Häufig in diesen Momenten kam mir der Gedanke, dem dortigen Pfarrer einfach mal einen Besuch abzustatten, mit der Bitte ein paar gute Worte für mich sprechen könnte. Mich zog dieses Bild der offenen Arme, die mich aufnehmen, trösten und heilen könnten magisch an.
Doch ich habe es nicht gemacht.
Gestern führte mich mein Weg dann zufällig in den Marburger Christus-Shop und auch hier machte sich dieses Gefühl, des sich fallen lassen Könnens in mir breit und eine seltsame Rührung und Weichheit brachte mir beim Schlendern durch die Buchtitel und Postkarten immer wieder Tränen in die Augen.
Ob es nun Schicksal oder Vorsehung war- in dem Laden saß bei Kaffee und im Gespräch mit der jungen Verkäuferin vertieft, ein 67-jähriger Jazz-Pianist aus Amerika, der mich ansprach und mir seine Lebens- und Leidensgeschichte erzählte.
Der Mann wirkte unglaublich fit. Er war fröhlich, hatte Krebs und Bluthochdruck überwunden und garantierte mir, es sei noch nicht an der Zeit für mich, zu streben..

Eineinhalb Stunden später verließ ich den Laden wie beseelt, in Glauben und Hoffnung – mehr noch als zuvor.
Ich kann nicht sagen, dass mich dieses Erlebnis der Kirche und dem christlichen Glauben näher gebracht hat, aber ich stelle fest, dass das innere Vertrauen in das Gute lebensnotwendig ist. Doch wer schenkt einem dieses Vertrauen, wenn man sich alleine und verlassen fühlt? In wirklichen Lebenskrisen?
In diesen Augenblicken bin ich froh um die hypothetische Möglichkeit einer großen Kraft, die nur das Gute im Sinn hat und mir versichert: Du hast so Recht, dies ist deine Prüfung, du wirst es schaffen. Hab keine Angst. Ich bin bei dir. Jederzeit.

So rational man es betrachten möchte, muss sich jeder Mensch eingestehen, dass kein anderes Lebewesen diese Rolle für einen übernehmen kann, weswegen der Bezug auf die Allmächtigkeit plötzlich existenziell wird, um an sich selbst und die Hoffnung glauben zu können.

Ich danke euch allen für eure gute Energien und die zahlreichen lieben Worte.
Sie schenken mir viel Kraft und Hoffnung!

Ein schönes Gedicht, das mich in dunklen Stunden schon oft begleitet hat

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Ich Werde Der Angst Nicht Nachgeben

Ich werde der Angst nicht nachgeben
Auch wenn die Angst mich immer wieder einholt,
werde ich der Angst nicht nachgeben
und mich nicht von ihr bestimmenlassen.
Angst ist ein Teil meines Lebens,
sie hält mich wach und macht mich weise,
aber ich ordne mich ihr nicht unter.
Ich erlaube ihr nicht, mich handlungsunfähig zu machen.
Ich belächle sie, weil sie nicht grösser ist als ich.
In meinem „NEIN“ der Angst gegenüber
liegt meine Kraftquelle.
Ich zehre von dem, was ich überwinde.
Ich wachse an dem, was ich nicht mehr brauche.
Ich spüre die innere Freiheit von dem,
was ich hinter mir lasse.
Es liegt ein seltsames Glück in dem „NEIN“,
mit dem ich Raum schaffe für die Welt,
die in mir geboren werden soll.

 
Ulrich Schaffer „Nein, Worte der Befreiung“

 

Mein Körper ist spitze!

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Also man soll sich ja nicht zu früh freuen, aber es ist Tag zwei nach meiner zweiten Chemo und mir geht es ziemlich, ziemlich gut. Gemessen an Hausarbeit hab ich heute viel geleistet, Unmengen zu Abend essen können und wahre Freude daran gehabt 🙂
Von dem großartigen Apfelkuchen, den ich heute Nachmittag gebacken habe, ganz zu schweigen.

Die vom letzten Mal noch gut in Erinnerung gebliebenen Nebenwirkungen wie Sodbrennen, Magenschmerzen und Verstopfung bleiben bisher aus und auch meine wirren Träume scheinen dieses mal fernzubleiben.
An und für sich ziemlich komisch, da ich fast fürchten könnte, die Doktoren hätten mir Placebo anstatt meiner Chemo verabreicht, aber da ich sicher bin, dass einem solch fiese Maschen nicht einmal einem abgebrühten Onkologe im Traum einfallen würde, freue ich mich über die Durchhaltekraft meines Körpersystems.

Zu diesem Thema und der Wirkung des inneren Arztes, bzw. der eigenen Selbstheilungskräfte, handelt eine aktuelle, momentan auf arte+7 noch bis Dienstag anzusehende Doku. Sie zeigt unter anderem den Placeboeffekt, die Wirkung von Meditation und den Einfluss der eigenen Selbstwirksamkeit auf den Einfluss der Gesundheit und Genesung von zum Teil chronischen Krankheiten. (Link zur Reportage: http://videos.arte.tv/de/videos/die_heilkraft_des_inneren_arztes-4267406.html)

Gerade zum Thema Meditation kann ich aus eigener Erfahrung sprechen und bestätigen, dass mir die regelmäßigen Meditationspraxis- in meinem Fall basiert meine Erfahrung auf der Achtsamkeitsmeditation und dem Body-Scan-  gute Erfahrungen aufzeigen kann. Sei es die Heilung von einer lang gehegten Hyperventilation vor fast 3 Jahren in meinem ersten Meditationsseminar, oder aktuell gute Eingebungen und viel Ruhe bei der regelmäßigen Meditation vor dem Schlafen gehen. Schlafhygiene, habe ich kürzlich gelesen, nennt man das auch 🙂

Ich kann allen Menschen mit oder ohne Krebs, aber vor allem Menschen, die aus irgendeinem Grund leiden, nur ans Herz legen, ihre Situation nicht als ein schicksalhaftes, böswilliges Karma oder Kette von Ereignissen anzusehen. Die Chance zum Aufbruch liegt in jedem neuen Gedanken und seit ich mich bewusst mit mir und der möglichen Entstehung meiner Erkrankung auseinander setze, sehe ich immer wieder von neuen Blockaden, denen ich mich geradezu freiwillig unter geordnet habe, oder Potential, dass ich aus Scheu und falscher Bescheidenheit nie anerkennen wollte. Die Kunst liegt wohl darin, seine Kraft mit dem Willen, glücklich zu sein, verbinden zu können und an seinem zu Glück, der Gesunheit und der eigenen Zukunft bereit sein, zu arbeiten. Jeden Tag. Glück ist niemals ein Endzustand, immer nur ein klitzekleiner Moment.
Wäre mein Krebs ein Todesurteil-  leider ist das bei vielen anderen immer noch allzu häufig der Fall- hätte ich nie die Chance, aus meinen heutigen Erkenntnissen zu profitieren. Doch zumindest vielen, und hoffentlich immer mehr Menschen mit der Diagnose Krebs, schenkt die Schulmedizin und auch die erweiternde Behandlung durch die Komplementärmedizin, ein Leben und Jahre voller Einkehr und Zufriedenheit, die man ohne eine „Nahtod-Erfahrung“, wie ich sie dennoch nennen möchte, nicht bekommt.

Das unterscheidet mich nun also von vielen Altersgenossen und oft fühlt es sich einsam an, auf meiner Seite. Doch dann sehe ich in den Spiegel: sehe meine Stoppelhaare und mein schönes Lachen auf dem Gesicht und freue mich, diesen Teil-meine Erfahrung- in die Welt posaunen zu können und noch so viele Jahre die Chance zu bekommen, mir und allen um mich herum zu beweisen: Mein Körper ist spitze!