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Leben ist das was einem passiert, während man noch versucht zu verstehen, was eben gerade erst geschehen ist.

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Und Sommer ist das, was einem widerfährt, während es draußen 18°C hat und es regnet. Ich liebe Sommerregen und den damit einhergehenden schönen Geruch feuchter Erde im Park. Daher lasse ich mich von Wasser nicht abhalten und möchte zur bleibenden Lebendigkeit dieses Blogs wieder mal einen Beitrag verfassen.

Nach meinem Studium finde ich mich in der wirklichen Welt anderer Individuen wieder. Menschen, von denen ich in gewisser Weise abhängig bin. Die Frage beschäftigte mich seit dem letzten Blogeintrag, ob es nun nicht besser an der Zeit wäre, diesen Blog zu schließen. Es könnte Menschen sauer aufstoßen, meine Geschichte zu lesen. Vor allem, wenn sie mich zuvor als vermeidlich relativ unversehrte Person wahrgenommen haben.
Aber kam zu dem Schluss, dass ich stolz sein kann auf mich und die vergangenen vier Jahre. Ich habe in dieser Zeit mehr über mich, das große Glück des Lebens und meine Umwelt mit all ihren Facetten lernen dürfen, als jemals davor.
Mit dieser im Rückblick schönen Erinnerung an gute und schlechte Zeiten sehe ich im Spiegel heute einer Frau ins Gesicht, die es ohne die ganzen Krisen nie gegeben hätte. Diese Frau wäre sicher weniger reich an Lebenserfahrung und was es heißt, das Leben auszukosten und sich dabei nicht aus den Augen zu verlieren.
Ich war 2011 auf einer Art Selbstfindungstrip, um meine Rolle in der Gesellschaft und meinen Platz zu suchen. Wäre ich nicht mit der Nase auf das Thema Sterblichkeit gestoßen worden, hätte ich weiter das Leben gefeiert. Heute kann ich beides Feiern. Denn nur wer gelebt hat, kann sterben. Und sich bewusst zu sein, dass das Leben ein Geschenk ist, haben viele Menschen noch kurz nach der Geburt wieder vergessen.

LOVE ANARCHIE - PeaceWas ich mit diesem Blog erreichen will ist mentale, emotionale, psychosoziale und gesellschaftliche Aufklärung. Diese Erkrankung, vor allem zu Beginn, zu ertragen bedeutet eine Menge eigener Power. Es gilt meiner Meinung nach, sie irgendwann zu akzeptieren anstatt sie zu hinterfragen, sich selbst nicht zu bedauern, sondern stolz zu sein, auf das Joch, das man mit Würde und innerer Stärke tragen kann, ohne darunter zu zerbrechen.
Während Erika und Max Mustermann Blogs über das Kochen, Nähen, Lieblingshobbies und Kindererziehung verfassen, schreibe ich über Krebs. Dass ich mich dabei meine eigene Geschichte schildere hat den pragmatischen Grund, dass ich gerne ein positives Vorbild wäre, die durch ihr Schreiben darum kämpft diese Volkskrankheit Krebs mit offenen, wachen Augen zu betrachten.
Denn Krebs geht uns ja wirklich alle an. Wir können politisch versuchen, die Industrie an die Leine zu legen, aber da wir alle wissen, wie gut das gelingt ist Aufklärungsarbeit vonnöten. Ich will nicht sagen, ich kann die Welt verändern, aber vielleicht kann ich einen kleinen Beitrag dadurch leisten. Krebs zu strotzen ist die eine Seite und ich denke, dass vor allem Menschen mit persönlichen Erfahrungen damit die Energie aufbringen wollen, Krebs in Zukunft nicht exponentiell in die Höhe steigen zu lassen. Leider wird man beim genaueren Hinsehen sehr vielen krebsauslösenden Zusätzen, Materiealien und Lebenshaltungen gewahr, die Krebserkrankungen begünstigen. Da sich in unserem Körper pausenlos entartete Zellen (Krebszellen) bilden, ist eine gewisse Umsicht auf Ernährung und Lebensweise wichtig.
Manche Menschen möchten kein Leid sehen, aus verschiedenen Gründen. Als es mich ereilte, dachte ich, mein Leben sei nun vorüber. Aber hier bin ich und schreibe und möchte Ermutigen, Aufklären, stark machen! Und dabei das Bild vom dürren, glatzköpfigen Krebskranken damit in die Tonne treten. Wir sind wissenschaftlich viel weiter. Damals galt der HIV-Virus als todbringende Seuche, heute leben HIV-Infizierte sehr viel länger mit ihrem Virus dank entsprechender Medikamente. So ähnlich verhält es sich auch mit der Krebsforschung.
Und trotz der Kritik an Pharmaunternehmen, den Möglichkeiten der modernen Medizin, der Alternativ- und Naturmedizin oder auch der Quantenheilung verlangt uns die Krebserkrankung einen Glauben an Heilung ab, den jeder Mensch in einem anderen Medium findet: Nicht zuletzt auch in sich selbst! Ich habe meine „Heilung“ in der modernen Medizin und in Achtsamkeitsmeditation gefunden. Andere essen Quark und Öl, um „gesund“ zu werden. Das sind die verschiedenen Gesichter von Krebs.

Ich sehe und erlebe jeden Tag mein Umfeld und begegne Problemen, treffe Entscheidungen und lerne an den alltäglichen Herausforderungen. Ich habe mich eine Zeit lang verkrochen, weil ich dachte, ich schaffe dies und jenes ohnehin nicht. Und jetzt möchte ich euch Ermutigen an das Unglaubliche zu glauben. So wie die Tage kommen und Gehen, zieht auch das Glück und der Schmerz dahin. Ich kenne viele weise Sprüche zu diesem Thema und möchte doch nur mit diesem kleinen Gedicht schließen, dass mir das erhoffte Gleichgewicht der guten und bösen Mächte in unserem Leben verdeutlicht:

Alles geben die Götter, die unendlichen,
Ihren Lieblingen ganz,
Alle Freuden, die unendlichen,
Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.

(J. W. Goethe)

Und am schönsten fasst eine meiner Lieblingssängerinnen und Musikbegleitung in allen Lebenslagen mein Gefühl in ein kraftschenkendes Lied.

You live you learn
You love you learn
You cry you learn
You lose you learn
You bleed you learn
You scream you learn

You grieve you learn
You choke you learn
You laugh you learn
You choose you learn
You pray you learn
You ask you learn
You live you learn

Überall Regen..

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Zugegebenermaßen ist es heute verhältnismäßig warm und sonnig, doch für mein Leben herrschen mal wieder andere Naturgesetze und darüber bin ich zutiefst traurig.

Ich hatte mir den Sommer bislang anders vorgestellt und obwohl ich die erste Hälfte mit einem tollen Menschen verbringen konnte, hat dieser sich urplötzlich in Luft aufgelöst. Ich muss für die Uni viel leisten, wovon ich mich durch zuvorgenannte Tatsache stark abgelenkt fühle. Der alltägliche Kleinkrieg mit Rechtsanwalt, Behörden und einer Heilung versprechenden Ernährungsumstellung machen mir das Leben zudem gerade zur Last. Alles andere als einfach im Brustkrebsland. Wo ist das Glück, der Prinz, der Sommer, das Einhorn? Ich bin frustriert und dusche mich ein bisschen in Selbstmitleid mit meinem neuen Lieblingsduschgel

Duftet nach Kindheit

Duftet nach Kindheit

Letzten Dienstag hatte ich eine weitere stereotaktische Bestrahlung in Frankfurt. Ich mag die Praxis dort unheimlich gern und abgesehen von dem meist unerfreulichen Grund meines Besuchs, besuche ich meinen behandelnden Arzt dort sehr gern. Die Praxis für Strahlentherapie in Frankfurt beherbergt ein Gamma Knife und ein Cyberknife. Eine Behandlung durch ersteres konnte ich letztes Jahr in Anspruch nehmen. Dieses Mal, zur Vernichtung dreier Metastasen, kam bei mir das Cyberknife zum Einsatz. Ich klopfe auf alles, was nur nach Holz aussieht, dass es gute Resultate erzielen wird!
Das einzige also, das in der vergangenen Woche besonders gestrahlt hat, war das Cyberknife-Gerät.
Nachwirkungen merke ich Selbst übrigens keine. Kein Haarverlust, kein Schwindel, keine Übelkeit. Ein wenig Kopfschmerzen dann und wann, aber sonst fühlt man von den stereotaktischen Bestrahlung wirklich nichts!

Zu meiner Ernährungsumstellung gibt es eine längere Vorgeschichte, die in einer Apotheke in Bad Kissingen beginnt und über regelmäßige Besuche in Pirmasens noch einige Monate andauern wird. Diese, sogenannten: Cellsymbiosetherapie,funktioniert nach dem Prinzip der Mitochondrienatmung, die durch Nahrungs- und Lebensmittel entsprechend verändert wird. Hierzu wird in einem unabhängigen Labor eine Blut-, eine Stuhl-, und eine Urinprobe auf Mangelzustände und etwaige Pilze und Bakterien hin untersucht, die dem Darm und letztlich auch dem Körper Schaden können. Der zur Zeit vielzitierte Zusammenhang von Gehirn und Darm bzw. Gesundheit und Darm erhalten hierdurch entsprechende Beachtung und Aufwertung.
Die Tatsache, dass ich durch den strikten Verzicht von Lebensmitteln, die auf meinem Index stehen (aus der Labor-analyse wird auch ein individuelles Profil an „verbotenen“ Speisen und Zutaten erstellt, das es einzuhalten gilt) auf Leckereien wie Tomaten(-Produkte), Bananen, Gluten, Lauch, Brombeeren und einiges mehr verzichten „muss“ macht es mir nicht gerade einfacher. Aber was soll man als Mensch mit einer Krebserkrankung tun, wenn einem mit einem sprichwörtlichen letzten Grashalm vor dem Gesicht herumgefuchtelt wird?
Ich hab ihn also ergriffen und bleibe dabei. Konsequent sein muss man leider manchmal. Aber allen, die mir  viel Erfolg fürs Durchhalten wünschen können, danke ich von Herzen 🙂 Ich fühl mich wie ein Mensch mit starkem Übergewicht, der sich auf eine radikale Diät einlässt. Das ständige Nachdenken über „darf ich das- darf ich das nicht?“ nervt mich etwas und hoffe, ich tue es für eine gute Sache.

Anbei heute eine ganz besondere akustische und visuelle Wohltat:

Und was die schönen oft Dinge verbergen, ist die immense Arbeit, die dahinter steckt:
https://www.youtube.com/watch?v=JKptYcQuKxc

Das sollte fürs erste aus dem Land der Trauerweiden reichen. Ich hoffe auf besser Wetter

Namaste

Eure Mari